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Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

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26. März 2017 17:31
Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30 - ein paar Gedanken zu zwei recht verschiedenen Brüdern


6x Gläser scheinen allmählich rarer zu werden. Aber es gibt noch ein paar, bessere und weniger gute, für unterschiedliche Ansprüche.
Beim täglichen Streifen durch Wälder und Felder mit meinem Hund war ich in letzter Zeit einige Male mit zwei kleineren Gläsern unterwegs als den sonst üblichen 7x oder 8x, abwechselnd mit dem Vixen Atrek 6x30 und dem neuen Vixen SG 6.5x32. Das letztere habe ich sodann ein paar Abende auch am Nachthimmel ausprobiert, denn für diesen Zweck wird es in erster Linie angepriesen.

Zunächst zum Atrek Light 6x30

Ein einfaches leichtes Porro-Glas mit zentraler Fokussierung, das zu Preisen zwischen 120 und 170 Euro angeboten wird. Hauptdaten:

- Sehfeld 8 Grad = 140m
- SSW 45.5 Grad
- Austrittspupillen-Längsabstand 18mm
- Nahfokus: 5m
- Gewicht 537g (mit Riemen, Okularschutz und Objektivschutzkappen)
- das Glas wird als „waterproof“ angeschrieben; es ist „made in China“

Von den Daten her also nichts besonders Aufregendes (sicher kann man jedenfalls nicht von einem Weitwinkel-Glas sprechen).
Soweit ich sehe, scheint das Atrek bis auf wenige Einzelheiten identisch mit dem Bushnell Natureview 6x30, siehe dazu

[www.juelich-bonn.com]

Allerdings ist die Ausstattung des Vixen (Riemen, Schutzkappen, Tasche) besser als die des Bushnell.

Die Handhabung des Atrek ist angenehm, die Schutzkappen vorne und hinten sind rasch ab- und aufgeklappt (die Objektivkappen fallen auch nicht von selbst ab, sondern bleiben fest am Platz), die Fokussierung ist recht präzise und läuft weich.
Das Bild ist hell, die Mittenschärfe ist gut, die Randschärfe für den Preis des Glases sehr akzeptabel, auch die CA hält sich durchaus im Rahmen, und das Sehfeld scheint tatsächlich weiter, als aufgrund der Daten zu vermuten.
Klein, leicht, relativ robust und mit ansprechender optischer und mechanischer Leistung scheint mir das Atrek ein recht attraktives Angebot für € 120.- (kostet nicht mal ein Fünfzehntel eines Alpha-Glases).


Zum SG 6.5x32

Ein Astrofernglas mit 32mm Objektiven ? Ein Birding-Feldstecher mit 6x Vergrösserung ? Das Stirnrunzeln ist vorprogrammiert: Wo kommen wir denn da hin ? Astrogläser haben doch mindestens 42mm Objektive, eher schon 50-70mm, und beim Birding geht mit weniger als 8-10x eigentlich gar nichts.
Vixen ist für mich ein interessanter Anbieter. Längst nicht alle Produkte mit diesem Namen verdienen das Prädikat „gut“, viele sind bestenfalls Mittelklasse (Bsp. Vixen Ultima), einige scheinen aber anspruchsvoller zu sein (Artes 8.5x, siehe binomania-Kurztest), und zwischendurch kommt Vixen mit unerwarteten Produkten wie dem SG 2.1x42 “Milchstrassenglas“ – einer deutlich hochwertigeren Variante des 2.3x40 Rusinov/Kasai Sternfeldguckers – stolz mit dem Prädikat „Made in Saitama“ versehen, oder jetzt eben mit dem SG 6.5x32 (das allerdings in China gefertigt wird), das klar „Oberklasse-Ansprüche“ hat.

Vixen bietet das SG 6.5x32 explizit als Astroglas an (Zitate Vixen Homepage: „Building on the success of the Vixen SG 2.1x42 widefield binoculars ..... New advanced Astro-binoculars with ultimate performance for stargazing. With a 6.5x mag. and 32mm aperture, this binocular meets the need for brightness with minimal image vibration for star gazing...... variable speed focusing allows the user to precisely focus on stars and other objects on the night sky ...“)

Hauptdaten:

- ED Glas, Schmidt-Pechan Prismen
- Einzelokular-Fokussierung
- Sehfeld 9 Grad = 157m
- SSW 54.2 Grad
- Austrittspupillen-Längsabstand 20mm
- Nahfokus: 6m
- Gewicht 685g (mit Riemen, Okularschutz und Objektivschutzkappen)
- das Glas wird als „waterproof“ angeschrieben; es ist wie erwähnt „made in China“

Das erste, was auffällt, ist das erhebliche Gewicht für die Grösse des Glases. Entsprechend macht es einen robusten Eindruck, verstärkt durch die satt anliegende Armierung. Die Mittenbrückenverstellung geht für meinen Geschmack etwas zu weich, die Fokussierung – Einzelokular-Verstellung mittels Metallringen – läuft präzise und satt. Dass die Fokussierung variable Geschwindigkeiten aufweist – im Nahbereich (der allerdings bei 6m endet) geht sie relativ schnell, im Bereich von Unendlich relativ langsam – wäre mir nicht mal aufgefallen, ich fand die Fokussierung einfach angenehm. Auffallend hingegen der grosse Ueberhub „jenseits unendlich“, nach meiner Schätzung mindestens 5.5dpt über unendlich hinaus !

Das zweite, was auffällt, wenn man wie ich tagsüber üblicherweise mit einem 8x32/8x42 Glas unterwegs ist (manchmal auch mit 7x30), ist die Helligkeit und Schärfe des Bildes, wobei dieses wegen der geringeren Vergrösserung des SG natürlich auch ruhiger, weniger verzittert ist.

Zur Optik in Sichworten:
- helles, sehr farbneutrales Bild; ich kenne wenige Gläser, deren Bild beim Schön’schen Papiertest so neutral„weiss“ ist
- CA praktisch nicht wahrnehmbar (da hilft wohl auch die geringere Vergrösserung)
- Mittenschärfe sehr gut
- Randschärfe bis etwa 80% zum Rand hin gut bis sehr gut; im Vergleich etwa ähnlich der Randschärfe im Nikon HG 8x, deutlich besser als die meisten Gläser dieser Preisklasse, die ich kenne
- Sehfeld: die 157m sind angenehm, aber Weitwinkelgefühl kommt nicht wirklich auf - kein Wunder, bei einem Sehwinkel von 54.2 Grad
- wenig Verzeichnung, daher
- etwas Globuseffekt beim Schwenken, aber nicht ausgeprägt
- im Gegenlicht (tiefe Sonne) einwandfreies Bild, wenig Reflexe, kein (!) Schleier selbst bei direktem Sonnenlicht auf den Frontlinsen
- Streulichtverhalten (Dämmerung etc.) gut
- leichte Reflexe nachts durch helle Lichtquellen knapp ausserhalb des Sehfeldes, wenig störend
- an sehr hellen Punktlichtquellen werden leichte Spikes sichtbar (Farbe: weiss), wenig störend
- sonst nachts nur wenig Reflexe, glares, usw.

Tagsüber in Wald und Feld fand ich das SG ein ausgesprochen angenehmes Fernglas. Reicht die Vergrösserung von 6.5x für die Vogelbeobachtung?? Wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein 65m entfernter Piepmatz im Vixen SG 10m entfernt scheint, im 8x Glas jedoch nur 1.9m näher, dann muss das Vixen eigentlich durchaus tauglich sein, insbesondere wegen des geringeren Verzitterns.
Dem Kreisen von Greifvögeln zu folgen geht mit dem SG bestens. Aber zur Beobachtung von Vogelschwärmen wäre noch etwas mehr Sehfeld wünschenswert. 9 Grad bei 7x oder 8x ist halt besser als 9 Grad bei 6.5x. Um den Wow-Effekt eines E II oder Action EX zu erzielen, müsste das SG vermutlich etwa 10 Grad aufweisen (beide genannten können aber bei der Randschärfe nicht mit dem SG mithalten).

Aber, werden nun viele sagen, wie soll das gehen, Einzelokular-Fokussierung ist doch tagsüber ein Killer?
Ich meine: nein. Ich bin schon „fortgeschrittenen Alters“, und die Adaption meiner Augen ist nicht mehr die eines jüngeren Beobachters. Also kann ich im Wald ein 8x oder 10x Glas mit Einzelfokus nur brauchen, wenn ich von fixem Standpunkt aus auf eine mehr oder weniger fixe Distanz beobachte.
Die Dinge sind erstaunlich anders bei einem 6x oder 6.5x Fernglas. Das SG kann ich auf unendlich scharfstellen und sehe dann Objekte in allen Distanzen bis auf etwa 45m herunter scharf - zum Glück geht es hier um ein Vixen und nicht um ein Steiner Glas, sonst hätte jetzt sicher jemand den Begriff „Sports Auto Focus“ aufgebracht ;-)
Sicher muss das jeder selber ausprobieren. Aber ich für mich kann mit einem 6.5x Einzelfokus-Fernglas problemlos auch tagsüber leben (ich beobachte allerdings weder Insekten noch Schnecken mit dem Fernglas). Muss mal doch verstellt werden, um auf 25m zu beobachten, dann geht das rasch und unkompliziert, auch ohne das Glas von den Augen zu nehmen.

Zusammengefasst Taggebrauch: Für die Preisklasse (ca. € 450.-) aus meiner Sicht erstklassige Optik. Helles, sehr farbneutrales Bild, hohe Mitten- und Randschärfe bis weit an die Peripherie des Bildes, angenehmes Schwenkverhalten, Sehfeldgrösse gut, aber nicht berauschend. Einzelfokus stört nicht. Könnte eines meiner präferierten Gläser für den täglichen "Ausritt" werden.

Nachts:
Ist das SG 6.5x32 eine Astroglas, wie Vixen sagt ?
Das kommt wahrscheinlich auf die Einsatzart an. Ich selbst beobachte nachts meist mit deutlich höheren Vergrösserungen, es sei denn, der Sternfeldgucker (2.1x, 2.3x) komme in dunklen Nächten mit seinem Super-Sehfeld zum Einsatz.
Für die Beobachtung der üblichen Verdächtigen am Nachthimmel hat das Vixen für mich zu wenig Vergrösserung, und für das Galaxy Hiking fehlt es dann doch erheblich an Sehfeld. Die Pleijaden sind im 12x, 15x oder 18x Glas für mich viel eindrücklicher als bei 6.5x., M42 braucht eigentlich schon 20x oder mehr, die Jupitermonde ebenfalls 10-15x (ja, man sieht sie auch mit 7x, aber mit begrenztem Spass).
Vielleicht habe ich bis jetzt einfach keine guten Objekte am Nachthimmel für ein 6.5x Fernglas gefunden ?
Da hilft auch die Farbneutralität des SG nicht, die Vixen hervorstreicht. Bei höheren Vergrösserungen könnte es diese vermutlich besser ausspielen, sodass man die Farbunterschiede heller Sterne am Nachthimmel effektiv klarer sehen könnte. Aber mit 6.5x ist des Nachts, wo das Farbsehen ohnehin stark eingeschränkt ist, da aus meiner Sicht nicht viel zu holen. Kann aber gut sein, dass einige das anders sehen.
Die gute Randschärfe und die Bildhelligkeit sind natürlich Pluspunkte auch am Nachthhimmel, ebenso das geringere Verwackeln, aber wiegen für mich die zu geringe Vergrösserung nicht auf.

Ich werde daher das SG 6.5x32 oft und gerne tagsüber mit in die Natur nehmen, es aber nachts im Schrank lassen.

For what it’s worth.
Pinac
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Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30 Anhänge

Pinac 2956 26. März 2017 17:31

Re: Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

Vertigo 1097 26. März 2017 21:49

Re: Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

Pinac 1082 27. März 2017 09:13

Re: Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

Vertigo 1087 27. März 2017 11:39

Re: Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

Dominique 988 27. März 2017 12:38

Re: Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

Vertigo 999 27. März 2017 13:52

Re: Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

Dominique 1001 27. März 2017 16:08

Re: Vixen SG 6.5x32 und Atrek 6x30

Holger Merlitz 1542 01. April 2017 10:58



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