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Swarovision 10x50: Testbericht von Walter Schön

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21. Juni 2011 12:14
Da ich mich für ein Fernglas von Herrn Schön interessiert habe und er sich für mein Swarovision 10x50 interessiert hat, haben wir kurzerhand unsere Ferngläser für ein paar Tage getauscht.
Den Testbericht gebe ich - mit Genehmigung von Herrn Schön - hier wieder:

"Bis auf wenige Kleinigkeiten ist mein Gesamteindruck sehr positiv. Optisch setzt dieses Fernglas tatsächlich einen neuen Maßstab, denn es bietet bei gewohnt (vergleichbar den alten 42er-Swarovski-EL, Canon 10x42 L IS WP, Leica und Zeiss) erstklassiger Schärfe (Auflösung und Kontrast) im zentralen Bereich nun auch sehr gute Randschärfe, die noch einen Tick besser ist als bei dem in dieser Hinsicht bisher besten Canon 10x42 L IS WP. Allerdings liegen dieses EL 10x50 und das Canon 10x42 L IS WP in der Randschärfe sehr dicht beeinander und beide deutlich vor allen anderen Top-Ferngläsern; man sollte daher fairerweise nicht sagen, daß das EL 10x50 bezüglich der Randschärfe einen Durchbruch darstellt, sondern daß dieses Verdienst eigentlich schon seit einigen Jahren dem Canon 10x42 L IS WP gebührt, aber das EL 10x50 diese Leistung jetzt noch knapp übertroffen hat.


Mechanisch entspricht das EL10x50 weitgehend dem, was man von den alten 42er-EL-Gläsern kennt: Sehr gute haptische Qualität, Robustheit und ansprechendes Design. Die offene Knickbrücke bietet jedoch wegen der dickeren Rohre bei Augenweiten unter etwa 62 mm zu wenig Platz, um ganz durchzugreifen (nicht beim Beobachten wichtig, aber beim Tragen in der Hand). Erfreulich ist, daß der praktische und kompakte Stativadapter der 42er-EL-Gläser auch beim 50er EL passt; er sitzt etwas straffer, erfordert aber beim Einschieben zwischen die Rohre ein leichtes Aufklappen der Knickbrücke, wenn man das Fernglas auf eine Augenweite von weniger als 70 mm eingestellt hat (meine Augenweite ist 67 mm).


Positiv sehe ich die anders ausgelegten vier Raststufen, die nicht wie bei vielen Konkurrenzmodelle gleichabständig (ein leider üblicher Unsinn), sondern so bemessen sind, daß je eine Zwischenstufe nahe der einen und der anderen Endposition liegt, so daß sowohl Brillenträger wie Nichtbrillenträger zwei nahe beieinander liegende Alternativen haben. Für mich ist mit Brille (- 4,75 dpt) die ca. 2 mm weit ausgefahrene erste Zwischenstufe optimal, doch habe ich auch bei ganz eingefahrenen Augenmuscheln mit Brille keine Probleme. Wegen des von Swarovski angegebenen AP-Längsabstands von 20 mm hatte ich die Befürchtung, dass das viel zu viel sei und Swarovski hier Fujinon nacheifert, um die Ferngläser auch mit dicken Schutzbrillen einsetzbar zu machen. Aber weil der AP-Längsabstand definitionsgemäß ab letztem Linsenscheitel gemessen wird und dieser beim EL 10x50 gute 6 mm tiefer als die Augenmuschel-Hinterkante liegt, bleibt als freier Abstand dann doch nur 16 mm und in der ersten Zwischen-Raststufe ca. 14 mm übrig, was für mich und meine Brille perfektes Einblickverhalten sichert. Ebenso optimal ist für mich ohne Brille die vollständig ausgefahrene Position der Drehaugenmuscheln.


Beeindruckt hat mich außer der Mitten- und Randschärfe auch die hervorragende Transmission. Mir kommt bei meinem Papiertest visuell das EL 10x50 sogar noch einen Tick heller vor als die zum Vergleich herangezogenen Zeiss-Victory-Gläser 7x42 und 10x56. Falls die letztgenannten Zeiss-Gläser bei Messungen höhere Werte liefern sollten, muß der Grund dafür in anderer spektraler Empfindlichkeitsverteilung meiner Augen als derjenigen der Meßeinrichtung (V-Lambda-Kurve) liegen. Die Farbneutralität ist perfekt, während mir im Vergleich dazu die genannten Zeiss-Gläser eine Spur grünlichgelb und das auch sehr farbneutrale Canon 10x42 L IS WP etwas gelblicher erscheinen.


Hervorragend für ein Fernglas dieser Daten 10x50 ist die Sehfeldgröße, die ich mit 115,5 m auf 1000 m ermittelt habe. Das als sehr weitwinklig geltende Zeiss Victory 10x56 FL bietet nur 110 m, obwohl ich für beide exakt denselben scheinbaren Sehwinkel von 61,3° gemessen habe. Beide bieten also beim Durchschauen den gleichen Eindruck von weitem Sehfeld, und doch zeigt das Swarovski EL 10x50 ein im Durchmesser um 5% größeres Sehfeld! Das liegt daran, daß das EL 10x50 kaum (nur ca. 2%) verzeichnet, aber das in üblicher Stärke (ca. 8%) kissenförmig verzeichnende Zeiss Victory den Randbereich soweit aufbläht, dass das auf 1000 m nur 110 m breite Sehfeld denselben scheinbaren Sehwinkel von 61,3° ausfüllt wie das 115,5 m breite Sehfeld des kaum kissenförmig verzeichnenden EL 10x50. Da die unterschiedlich großen Sehfelder eventuell den Verdacht hervorrufen könnten, daß evtl. leicht unterschiedliche Vergrößerungen ebenfalls dazu beitragen könnten, habe ich auch das überprüft und kann danach wirklich identische Vergrößerung für das Sehfeldzentrum bestätigen (geprüft durch Digitalfotos vom selben Standort durchs jeweilige Fernglas und anschließende Überlagerung der beiden Bilder bei starker Vergrößerung auf meinem 30“-Monitor). Der aus der kaum merklichen Verzeichnung beim Schwenken während des Beobachtens resultierende Zylindereffekt („Globuseffekt“) stört mich nicht; ich bin dafür relativ unempfindlich. Vielmehr schätze ich es, gerade Linien auch nahe dem Bildrand gerade statt deutlich durchgebogen zu sehen (auch schon bei den alten Nikon-HG- und -HG-L-Ferngläsern hatte ich die deutlich geringere als übliche Verzeichnung als Vorteil empfunden).


Die Nahgrenze von 2,75 m ist fast gleich der des Victory 10x56 FL (ca. 2,85 m) und recht praxisgerecht. Das Canon 10x42 L IS WP läßt zwar Naheinstellung bis 2,37 m zu und die anderen 42er-Ferngläser schaffen teils noch kürzere Einstellungen, doch für ein 50er-Glas ist diese etwas weitere Nahgrenze durchaus in Ordnung.


Erfreulich ist das geringe Gewicht von nur 1005 g ohne Zubehör (Trageriemen, Schutzdeckel). Das Zeiss Victory 10x56 FL kommt ohne Zubehör auf 1265 g, als 260 g mehr, die ich beim Vor-die-Augen-Halten schon deutlich spüre. Dieser Gewichtsvorteil wäre mir mehr wert als die etwas größere Öffnung bzw. AP des Zeiss, da dieser Vorteil bei meinen Anwendungen extrem selten (nämlich nur bei reiner Nachtbeobachtung) nutzbar ist, das geringere Gewicht aber immer einen spürbaren Komfortvorteil bietet. Dies in Verbindung mit der viel besseren Randschärfe und dem etwas größeren Sehfeld wird mich wohl eines Tages veranlassen, mein Victory 10x56 FL zu verkaufen und mir das EL 10x50 anzuschaffen.


Das Thema Farbsäume ist noch wichtig. Hier ist das EL 10x50 auch sehr gut, aber kommt doch nicht ganz an das Victory 10x56 heran, dessen Farbsäume geringfügig schwächer sind. Der Unterschied ist allerdings so klein, daß man ihn in der Praxis kaum oder gar nicht bemerken wird. Hier also gäbe es noch ein klein wenig Potential zu weiterer Verbesserung, wie die besten Kowa-Ferngläser der Prominar- bzw. Genesis-Serie zeigen. Ein Apo-EL mit noch schwächeren Farbsäumen wäre (vielleicht in fünf oder sechs Jahren?) schon eine feine Sache.


Jetzt zu den vergleichsweise unbedeutenden Schwächen des Swarovski EL 10x50 Swarovision.


Zuerst fiel mir die viel zu tiefe Lage der Daumenmulden auf, die ganz wegzulassen auch möglich gewesen wäre. Die Mulden liegen ideal, wenn man das Fernglas so hält, daß man es gut von der Unterseite betrachten kann – aber wer macht das schon oft? Beim Beobachten liegen meine Daumen ganz wo anders (ich bin Rechtshänder und fokussiere mit dem rechten Zeigefinger): der rechte liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Drehaugenmuschel und Daumenmulde, der linke Daumen etwa zwei Zentimeter vor der linken Daumenmulde (also näher zum Objektiv) und weiter zur Mittelachse fast zwischen den Rohren. Aber die falsch angeordneten Mulden stören auch nicht, und so kann man über diesen Fehler hinwegsehen.


Was mich auf Dauer leicht nerven könnte, wäre, wenn mein künftiges EL 10x50 eine ebenso leicht ruckelig-rauhe Fokussierung beim Drehen hätte wie Ihres. Nach rechts geht die Walze fast durchgehend geschmeidig-glatt, nach links über weite Strecken ähnlich, aber speziell im Entfernungsbereich zwischen etwa 6 m und unendlich spürt man manchmal streckenweise eine erhöhte Reibung. Die Präzision der Scharfeinstellung ist dadurch zwar nicht beeinträchtigt, aber man hat einfach das Gefühl, daß da etwas nicht ganz in Ordnung ist und zu diesem nahezu perfekten Fernglas nicht so recht passen will.


Die mitgelieferte Tragetasche ist viel zu groß und ihr Reißverschluss für den, der Wildtiere beobachtet (ob als Vogel-, allgemeiner Tier- und Naturfreund oder Jäger), viel zu laut. Swarovski hatte schon bei den Taschen der vorherigen EL-Gläser gemurkst, aber die neue und völlig anders geschnittene neue Tasche ist auf ganz andere Weise ebenso eine Fehlkonstruktion. Glücklicherweise passt z.B. die Tasche der 42er-Zeiss-Victory-Gäser wie maßgeschneidert auch für das EL 10x50, und da diese Tasche nicht teuer ist, möchte ich sie Ihnen bei dieser Gelegenheit für Ihr EL 10x50 sehr empfehlen.


Gewünscht hätte ich mir noch Filtergewinde, um Streulichtblenden und in manchen Anwendungen Polfilter verwenden zu können. Die Ignoranz fast aller Fernglashersteller in diesem Punkt verstehe ich nicht, denn so ein Filtergewinde ist kein nennenswerter Kostenfaktor und für alle, die so ein Filtergewinde nicht brauchen, kein Nachteil. Vor allem Vogelbeobachter und Hobbyastronomen wären jedoch sehr erfreut, wenn sie Streulichtblenden und Filter verwenden könnten.


Zum Schluß noch ein Punkt, der sich zwar nicht von mir erkennbar qualitativ auf das Bild ausgewirkt hat, mich aber trotzdem etwas irritiert: Der Phasenkorrekturbelag ist in beiden Rohren deutlich verschieden! Das hatte ich bisher bei keinem meiner verschiedenen Swarovski-Ferngläser, die ich noch besitze oder früher besaß, so festgestellt. Vielmehr war da überall die Phasenkorrektur vorbildlich und beiderseits identisch. Warum jetzt so ein deutlicher Unterschied?


Mein Fazit ist natürlich trotz der genannten Schwachpunkte sehr positiv: Ein exzellentes Fernglas, das auch ich mir zulegen werde, sobald dafür ausreichend Geld in der Kasse ist. Ich habe in den letzten Monaten zur Qualitätssteigerung meiner HiFi-Anlagen viel Geld ausgegeben und muss mich erst davon erholen. Aber am EL 10x50 werde ich nicht vorbeikommen; dazu ist es einfach zu gut, auch wenn das Canon 10x42 L IS WP in Schärfe und Randschärfe fast gleich gut ist und mit aktivierter Bildstabilisierung sogar deutlich mehr Details bei Freihandbeobachtung zeigt. Aber das Swarovski EL 10x50 ist um spürbare 125 g leichter, kompakter, wesentlich robuster (insbesondere nicht so stoßempfindlich), viel „lichtstärker“ und benötigt keine Batterie, ist also das alltagstauglichere und vielseitigere Fernglas mit der besseren Ergonomie und Haptik."

Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Swarovision 10x50: Testbericht von Walter Schön

Joachim Schmolke 10407 21. Juni 2011 12:14

Immer wieder wird über Probleme mit der Verstellmechanik berichtet

Gunnar 2114 21. Juni 2011 12:40

Re: Immer wieder wird über Probleme mit der Verstellmechanik berichtet

Hans 1772 25. Juni 2011 09:43

Re: Immer wieder wird über Probleme mit der Verstellmechanik berichtet

Michael Becker 1448 30. November 2011 13:57

Re: Immer wieder wird über Probleme mit der Verstellmechanik berichtet

Peter Kott 1576 30. November 2011 17:51

"zweigeteilter Brückenzwang"

marc champollion 1437 30. November 2011 23:12



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