Willkommen! Anmelden Ein neues Profil erzeugen

Erweiterte Suche

Erfahrungsbericht zu „Pentax 8x32 DCF SP“

Juelich-Logo

 
deutsch  english  franais  chinese
Impressum
 
Forumregeln
 
Lupen
Mikroskope
Schulung
Messtische
Mess-Software
Mikroskopierdienst
Mikroskopservice
Sonderanfertigungen
 
Ferngläser
Spektive
Teleskope
Stative
Globen
 
Sonderposten
Veranstaltungen
Forum
Testberichte
 
AGB
Kontakt

 

12. März 2007 00:58
Bereits vor ca. zwei Wochen erhielt ich von Herrn Jost Dennier ein Fernglas Pentax 8x32 DCF SP zur Prüfung für einen Erfahrungsbericht zugeschickt. Dieses erst vor dreieinhalb Jahren auf den Markt gekommene Modell der Preisklasse um ca. 600 bis 800 Euro wird jetzt deutlich günstiger (schon ab ca. 410 Euro) angeboten, da die DCF-SP-Reihe von einer DCF-ED-Reihe abgelöst werden soll. Leider haben einige unerwartete Ereignisse mir zunächst keine Zeit für die Prüfung gelassen, aber nun endlich konnte ich sie (auch im Vergleich mit einem Zeiss Conquest 8x30, getrennter Bericht folgt) durchführen.

Pentax 8x32 DCF SP (Auslaufmodell, früher Preisklasse um ca. 600 bis 800 Euro):

1. Aussehen, Verarbeitung, erster Eindruck
Das Pentax 8x32 DCF SP ist zwar durchaus kompakt, wirkt aber etwas massig, sehr robust und solide. Pentax nennt es ein „Fernglas der absoluten Spitzenklasse“, und so wird es sich strenge Anforderungen gefallen lassen müssen. Das Design ist gefällig, aber nicht aufregend, allerdings mit einigen Schwächen im Detail (siehe Punkt 2, Haptik). Die bunten Aufkleber lassen sich glücklicherweise entfernen. Das Jägergrün ist eine Spur dunkler als bei Swarovski. Die matte Gummiarmierung fühlt sich angenehm und rauh genug an, um griffig zu sein, ohne daß Staub und Schmutz daran stark haften. Der schwache Gummigeruch könnte vielleicht deshalb noch so gut spürbar sein, weil das Testexemplar ziemlich neu ist. Nach Herstellerangabe ist das Pentax 8x32 DCF SP stickstoffbefüllt und wasserdicht, was ich nicht prüfen konnte.

2. Größe und Gewicht, Haptik
Angenehm für ein Allround-Glas ist die Kompaktheit. Die Länge ist fast identisch mit der des Zeiss FL, das Gewicht aber mit knapp 680 g fast 100 g höher, nahezu wie beim Nikon HG-L, mit dem es auch die etwas massige Wirkung gemeinsam hat. Es läßt sich gut halten, wenn man es mit der Hand (beim Rechtshänder der rechten), mit der man fokussiert, oberhalb der Trageriemenöse dicht am Okular umfaßt. Hält man es tiefer, so drückt die weit ausladende Trageriemenöse zwischen Daumen und Zeigerfinger. Die Position der Ösen ist relativ weit außen, so daß das Fernglas nur ein wenig schräg am Trageriemen hängt, der nicht sehr lang ist und im Nackenbereich relativ schmal und ungepolstert ist, aber dafür zusammengelegt weniger Platz in der Tasche benötigt. Die nur schwach vertieften Daumenmulden liegen für die zweite, das Fernglas weiter vorn umfassende Hand genau richtig. Der Okularschutzdeckel ist von der einfachen Sorte, aber ziemlich leicht, so daß er kaum stört, wenn er beim Beobachten seitlich herunter hängt. Die Objektivschutzdeckel sind eine Fehlkonstruktion. Sie müssen (wie beim Swarovski EL 8x32 oder 10x32) innenseitig im Objektivtubus einrasten, was hier beim Pentax eine rechte Fummelei wird; entweder fallen sie gleich wieder heraus, wenn man schnell ist, oder es dauert eine Weile, wenn man sie mühsam „mit Gewalt“ hineindrückt. Leider kann man nicht anstelle dieser Deckel andere nach Art von Leica, Swarovski oder Zeiss anbringen, weil der Objektivtubus außen nicht zylindrisch rund ist, sondern oben eine flache Dachkante hat.

3. Augenmuscheln und Einblickverhalten
Kurzsichtige Brillenträger mit nicht zu großer Brille können bei eingedrehten Augenmuscheln das ziemlich große, nur um wenige Grad das Leica- und Zeiss-Niveau verfehlende Sehfeld gerade noch vollständig überblicken; Weitsichtige dürften schon ab mittlerer Brillenglasstärke Schwierigkeiten haben. Bei Beobachtung ohne Brille gibt es keine Probleme mit dem AP-Längsabstand. Die herausgedrehten Augenmuscheln schirmen Seitenlicht gut ab. Sie haben zwei rastende, gleichabständige Zwischenstufen. Die Friktion der Knickbrücke zum Einstellen auf die Augenweite ist ziemlich hoch, fast schon schwergängig, so daß sie sich wohl nie ungewollt von selbst verstellen dürfte.

4. Dioptrienkorrektur und Überhub
Der Überhub für Kurzsichtige beträgt ca. -5,5 dpt; ich kann mit ca. -5,25 dpt ohne Brille auf unendlich scharf sehen und habe noch eine winzige Reserve darüber hinaus. Der leicht geriffelte Dioptrienkorrekturring am rechten Okular wird durch Hochziehen entriegelt, ist etwas schwergängig, aber noch ganz gut innerhalb eines ungewohnt großen Bereichs von mehr als ±5 dpt einstellbar und rastet beim Zurückschieben recht feinstufig ein. Der Ring muß mit einiger Kraft zum Entriegeln hochgezogen werden, so daß keine Gefahr besteht, daß er sich versehentlich entriegelt und verstellt.

5. Sehfeldgröße
Pentax-Ferngläser haben bezüglich der Größe des scheinbaren Sehwinkels keinen guten Ruf, da manche Modelle bereits das Prädikat „Tunnelblick“ verdienen. Diesem 8x32 DFC SP jedoch kann man das nicht vorwerfen, denn sein scheinbarer Sehwinkel ist nur schätzungsweise ca. 3° Grad enger als der z.B. des Leica Ultravids 8x32 oder Zeiss Victory 8x32 FL (bei Brillenträgern mit der Einschränkung: sofern sie alles überblicken können). Das ist im Vergleich zum gleichzeitig getesteten Zeiss Conquest 8x30 deutlich mehr.

6. Fokussierung
Die gummierte Fokussierwalze liegt griffgünstig, hat einen idealen Durchmesser, die Riffelung fühlt sich angenehm an und ist eher zu grob als zu fein. Leider dreht sich die Walze (wenn man die Premiumgläser als Maßstab nimmt) verkehrt herum, also gegen den Uhrzeigersinn für weitere bzw. im Uhrzeigersinn für kürzere Einstellentfernung. Das könnte diejenigen stören, die mehrere Ferngläser benutzen. Die Gängigkeit der Fokussierwalze ist etwas zäh, gerade noch gut. Ohne Einschränkung gut ist die Untersetzung mit knapp über 1 1/2 Umdrehungen von unendlich bis zur extrem kurzen Nahgrenze von ca. 1 m, die aber kaum nutzbar ist, weil bei so kurzem Abstand das von beiden Augen zugleich gesehene Feld nur ca. 1/4 des gesamten, d.h. von mindestens einem Auge gesehenen Feldes ist und die Augen sehr stark schielen müssen (bei der 8fachen Vergrößerung dieses Fernglases so wie mit bloßem Auge auf 1 m : 8 = ca. 12,5 cm Abstand!).

7. Stativbefestigung
Das Fernglas hat vorn in der Knickbrückenachse eine Rändelschraube, an der die Objektivschutzdeckel mit ihren Laschen angehängt sind und unter der sich ein Gewinde für einen gängigen Stativadapter verbirgt. Die Rändelschraube ist etwas schwer bedienbar; zum Abschrauben ist das Fernglas um die Achse der Knickbrücke auf größte Augenweitenposition zu stellen. Trotzdem ist das besser als kein Stativgewinde (Leica, Zeiss ...).

8. Transmission und Farbtreue
Die Transmission und die Farbtreue sind sehr gut. Visuell kann ich zu den Ferngläsern Zeiss FL, Leica Ultravid und Swarovski EL kaum einen Unterschied in der Bildhelligkeit erkennen und je nach Licht manchmal einen Hauch eines grünlichen Farbtons wahrnehmen. Im Vergleich zum Nikon HG-L (schwach rötlich) ist es farbneutraler und entspricht etwa dem Leica Ultravid (schwach gelblich).

9. Schärfe und Kontrast
Schärfe und Kontrast sind im zentralen Bereich des Sehfeldes sehr gut. Die Abnahme der Schärfe zum Rand ist gut ab spätestens ca. 70% Bildhöhe erkennbar und stärker als bei den Premiumgläsern. Da die Randunschärfe aber zum größten Teil auf einer starken Bildfeldwölbung beruht, kann man auch den Randbereich scharfstellen, wobei dann aber der mittlere Bildbereich ziemlich unscharf wird. Junge Beobachter, die noch über eine große Akkommodationsbreite verfügen, dürften daher diese Fernglas als ziemlich randscharf empfinden, während ältere sich mit einer Randunschärfe abfinden müssen.

10. Streulicht und Reflexe
Wie aufgrund der sehr guten Transmission, also sehr effektiver MC-Vergütung, schon zu erwarten war, zeigt das Pentax 8x32 DCF SP meistens nur wenig Streulicht und Reflexe. Es gibt jededoch zwei ziemlich kritische Lichteinfallswinkel bei Gegenlicht: Wenn eine blendende Lichtquelle (Spiegelungen der Sonne, Lampen, Vollmond) einige Grad außerhalb des Sehwinkels seitlich von vorn in den Tubus leuchten, kann es zur vollständigen Verscheierung eines der beiden Sehfelder kommen, und zwar für das linke Auge, wenn die blendende Lichtquelle rechts liegt, und für das rechte Auge, wenn sie links des Sehfeldes liegt. Wie fast alle Ferngläser hat auch dieses kein Gewinde für aufschraubbare Streulichtblenden. Da der Gehäusetubus um die Objektive nicht zylindrisch rund ist, sonder oberseitig eine Art Dachkante hat, ist es schwierig, in kritischen Fällen als Streulichtschutz innenseitig schwarze Papprohre auf den Tubus aufzustecken.

11. Farbsäume
Die Farbsäume an tangential verlaufenden Kanten im äußeren Bereich des Bildfeldes sind sehr gering und unterscheiden sich von denen der Premiumferngläser kaum. Nur das Zeiss Victory 8x32 FL und das Swarovski EL 8x32 sind in diesem Punkt noch ganz gut erkennbar besser.

12. Verzeichnung
Das Pentax 8x32 DCF SP ist nahezu verzeichnungsfrei. Es verzeichnet sogar noch ein bißchen geringer kissenförmig als das auch schon (nach Fernglasmaßstäben) beinahe verzeichnungsfreie Nikon 8x32 HG-L. Dafür wird der Globuseffekt besonders deutlich, denn kissenförmige Verzeichnung und Globuseffekt sind miteinander untrennbar verknüpfte gegensätzliche Eigenschaften: entweder das eine oder das andere oder ein Kompromiß mit ein bißchen von jedem.

FAZIT
Das Pentax 8x32 DCF SP ist zweifellos ein ziemlich gutes Fernglas, das seinen durchaus schon als hoch zu bezeichnenden offiziellen Preis und erst recht den jetzt von manchen Händlern herabgesetzten Ausverkaufspreis wert ist, aber den Pentax-Anspruch (Werbe-„Claim“) der „absoluten Spitzenklasse“ wegen einiger Mängel doch verfehlt. Hervorzuheben sind die sehr solide Bauweise, das große Sehfeld, die sehr gute MC-Vergütung für hohe Transmission und Farbneutralität sowie die (schon über das sinnvolle Maß hinausgehende) extreme Naheinstellmöglichkeit. Die Randunschärfe ist von jüngeren Beobachtern kaum festzustellen, von älteren aber schon deutlich erkennbar. Zu kritisieren sind die schlecht bedienbaren Objektivschutzdeckel, die je nach Position der haltenden Fokussierhand eventuell drückenden Tragriemenösen und der für Weitsichtige etwas knappe Austrittspupillen-Längsabstand. Den einen oder anderen Beobachter könnte auch der deutliche Globuseffekt stören, in manchen Fällen könnte er sogar ein K.O.-Kriterium sein.

Ich danke Herrn Jost Dennier dafür, daß er mir dieses Fernglas zum Testen leihweise überlassen hat. Ich werde es ihm morgen zurückschicken und entschuldige mich, daß alles etwas länger als geplant gedauert hat.

Walter E. Schön
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Erfahrungsbericht zu „Pentax 8x32 DCF SP“

Walter E. Schön 11203 12. März 2007 00:58

Fokussierrichtung

Manni 2164 12. März 2007 21:38

Gibt es Informationen zum „Pentax 8x32 DCF ED“?

Fritz 2205 08. November 2007 22:37

Re: Gibt es Informationen zum „Pentax 8x32 DCF ED“?

Klaus Macke 2492 09. November 2007 09:13

Re: Gibt es Informationen zum „Pentax 8x32 DCF ED“?

marc champollion 2053 26. März 2008 16:25

Re: Erfahrungsbericht zu Pentax 8x32 DCF SP“

ika 1358 10. Juni 2010 23:33

Gibt es eine neue Information zum Pentax DCF ED 8x32 oder 10x43?

michael wolf 1046 26. Oktober 2011 23:14

Re: Gibt es eine neue Information zum Pentax DCF ED 8x32 oder 10x43?

Ludwig M. 1239 26. Oktober 2011 23:57



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen