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Zeiss Victory 8x42 FL, der versprochene Bericht

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Helmut Koch
31. Januar 2008 20:26
Himmelsbeobachtung mit 42 mm Öffnung.

Sie brauchen ein Fernglas, in meinem Fall das Zeiss Victory 8x42 FL. Damit übersehen Sie ein Gebiet mit 7,5° Durchmesser.
Suchen Sie sich Objekte mit einem Durchmesser ab 15 Bogenminuten heraus.
Prüfen Sie die Beobachtungsbedingungen. Gute Bedingungen hat man dann, wenn man M42 mit unbewaffnetem Auge erkennen kann.
Halten Sie sich nicht mit gymnastischen Übungen auf. Glauben Sie mir, es macht mehr Spaß ohne schmerzende Halswirbelsäule, deshalb sind der Zenit und benachbarte Bereiche tabu.

Ich beobachte im Sitzen, die Arme auf einem Gartentisch aufgestützt, Kissen als Polster dazwischen. Bevor ich mit der Beobachtung anfange, lasse ich meinen Augen die notwendige Anpassungszeit. Danach vermeide ich den Blick in helle Lampen. Zur Orientierung nehme ich eine drehbare Sternkarte, geleuchtet wird mit einer roten LED-Taschenlampe.

M42, der große Orionnebel hat einen Durchmesser von ungefähr einem Grad. Die Form ist unsymmetrisch, es lohnt also, sich die Umrisse einmal genau zu betrachten. Das Zeiss zeigt ihn gleichzeitig mit den umgebenden Vordergrundsternen, ein Anblick, den mit meine Fernrohre nicht bieten können. Wer länger beobachtet, der erkennt hellere und schwächere Gebiete, aber ganz egal wie lange wir beobachten, es bleibt bei einem mittelhellen Grau, zur Anregung unserer Farbrezeptoren reicht die Helligkeit nicht aus. Das wird aber sofort anders, wenn wir uns die beiden hellsten Sterne im Orion betrachten. Beteigeuze ist rötlich und dem hellen Rigel wird man die Farbe weißblau zuordnen, weißblau wie die hellen Leuchtdioden oder das nervende Xenonlicht, mit dem uns der Gegenverkehr blendet. Helle Sterne sind für Ferngläser eine Herausforderung. Das Victory meistert diese Herausforderung gut, Sie können ja mit Ihrem Fernglas den Test wiederholen. Nehmen Sie den weißblauen Rigel. In Bildmitte muß er ein helles Pünktchen sein, sonst nichts. Sie dürfen keine Strahlen sehen, die auf Reflexe im Glas oder auf eine schlechte Dachkante hinweisen. Sie müssen ganz sicher und reproduziertbar erkennen können: Jetzt habe ich scharf gestellt. Sie sollten auch keine Geister erkennen, das sind leicht versetze Reflexe die den Eindruck machen, als wären weitere Rigel, nur viel lichtschwächer im Glas. Nein, das Victory zeigt diese Schwächen nicht.
Wir wissen aber, dass die Optik in der Mitte die besten Ergebnisse liefert, also prüfen wir einmal wie es am Rand aussieht. Dazu halten wir das Glas ruhig und lassen den Rigel langsam zum Rand wandern. Nach einer gewissen Zeit wird der perfekte Punkt zu einem kleinen Scheibchen, wir müssen am Fokusrad nachstellen und selbst dann ist Rigel im Randbereich nicht in der Qualität zu sehen wie in Bildmitte.
Wenn wir den Vorgang mehrmals wiederholen, dann erkennen wir, das ein Victory 8x42 FL bei einem älteren Herrn spätestens ½ Grad vor dem Rand in der Abbildungsleistung nachläßt. Die Gegenprobe mit meinem Enkel bestätigt die Altersabhängigkeit, denn für ihn ist ein Victory randscharf.

Es lohnt trotzdem, offene Sternhaufen zu betrachten, denn in der Praxis sind die leichten Unschärfen am Rand kleine, läßliche Sünden. Die Plejaden sind ungefähr 2° im Durchmesser, die meisten anderen offenen Sternhaufen sind sogar noch viel kleiner.

Im Sommer lohnt ein Blick bis ans südliche Ende der Milchstraße, im Bereich Skorpion und Schütze findet man wundervolle Nebel, genau das Richtige für ein 8x42.

Nur so zum Spaß habe ich dann das Zeiss Mono 3x12 auf das rechte Okular gesetzt. Die etwas wackelige Kombination erreicht immerhin 24x42, da muß doch noch was gehen.
Zuerst muß man für eine ruhige Auflage sorgen, ich nehme dafür einen Blumenhocker, der kommt auf den Tisch. Auf den Hocker das Kissen, darauf das Victory. Jetzt werden auch kleinere Objekte interessant, Kugelsternhaufen oder kleinere Galaxien, sie sollten nur heller als 9. Magnitude sein, sonst sind sie zu lichtschwach. Da findet man aber genug, wenn man Geduld mitbringt.
Mit etwas Phantasie reicht es auch zu zwei winzigen Henkeln am Saturn, Ring wäre geprahlt, denn sehe ich mit 24fach noch nicht. Auch Mars ist unergiebig, aber einen Blick auf den Mondterminator sollte man schon werfen, es sind genug Krater zu erkennen. Dabei sieht man dann aber auch, dass die Kombination aus Victory und 3x12 Mono an ihre Grenzen stößt, ein Reflex ist unübersehbar, das Mondbild wird flau.

Ich beobachte lieber ohne das Mono.

Ein Beobachtungsgebiet möchte ich noch erwähnen, die teleskopischen Meteore, also jene kleinen Leuchtblitze, die für das unbewaffnete Auge zu lichtschwach sind. Normalerweise ist es unergiebig, will man auf diese Meteore warten, aber in den Zeiten großer Schwärme ist es faszinierend, wie viele helle Strichspuren durch das Bild huschen. Ich habe schon einmal über 400 in fünf Minuten gezählt, während mein Enkel in der gleichen Zeit nur ca. 15 visuelle Meteore zählen konnte.

Das Victory ist für diese Himmelsbeobachtung geeignet, weil es ein großes Sehfeld hat, weil es Sternpunkte zeigt, weil es leicht genug ist und sich gut halten läßt. Träumen Sie nicht von einem Riesenfernglas, fangen Sie schon mal an, auch 42 mm leisten was Ordentliches.

Helmut Koch

Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Zeiss Victory 8x42 FL, der versprochene Bericht

Helmut Koch 6620 31. Januar 2008 20:26

Re: Zeiss Victory 8x42 FL, der versprochene Bericht

Walter Rahner 2024 03. Februar 2008 15:54

Re: Zeiss Victory 8x42 FL, der versprochene Bericht

Wolfgang Grau 1893 11. Februar 2008 14:18



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