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Wie versprochen: Meine Erfahrungen mit Vixen 102M und Firma Jülich

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Karl-Heinz Gummersbach
12. Dezember 2005 20:11
Sehr geehrter Herr Jülich
Ich war vor 5 Jahren um die gleiche Zeit bei Ihnen im Geschäft und habe mir den 4-Zöller von Vixen auf der damaligen GP gekauft. Damals habe ich Ihnen einen fairen Erfahrungsbericht versprochen, jetzt wird das Versprechen eingelöst. Hier ist mein Bericht.

Ich hatte mich vor dem Kauf gründlich informiert, Vixen war überteuert, Meade hatte wackelige Gabeln, Celestron war in wirtschaftlicher Not, bresser war die Marke der Wahl. Damit waren Sie dann aber überhaupt nicht einverstanden, Bresser war für Sie ein Schimpfwort, bestenfalls Resteverwertung, aber kein Teleskop. Es fing wirklich sehr heftig an und ich war schon auf dem Weg zu gehen. Irgendwie haben wir dann aber doch zueinandergefunden und nachdem wir meine Wünsche zu Papier gebracht hatten, empfahlen sie mir zum Einstieg das Vixen GP-E 80L. Das war mir aber zu klein und dann landeten wir beim 102M. Ein Fraunhofer mit moderatem Farbfehler meinten Sie und erste Schritt in Richtung Deep Sky wären schon möglich.
Ich bin dann mit meinem Zeug abgezogen, später kamen noch ein paar Teile dazu, seitdem wird beobachtet.

Der Aufstellungsort ist mitten in Hennef. Hennef mag zwar ein Kaff sein, aber wenn es um Lichtverschmutzung geht, strengen sie sich an. Dies war damals schon so und ist auch nicht besser geworden.
Ich habe einen freien Osthimmel, ein gutes Stück Süden und den Polarstern sehe ich auch.
Die Grenzgröße dürfte sich um 4-5 bewegen, 5 allerdings nur bei Stromausfall und wenn ich keine Zeit habe.
Tagsüber verwahre ich das Teleskop in der Garage. Dort steht es trocken und kühl, kühler jedenfalls als im Haus.
Zur Beobachtung baue ich die Montierung auf drei Betonplatten auf. Die Beine landen in kleinen Vertiefungen, Bohrlöcher zur reproduzierbaren Aufstellung. Die Platten betrete ich nie.
Dann knie ich auf einem Holzbrett und peile durch den Polsucher. Manchmal sind ganz kleine Korrekturen nötig, was mir zeigt, daß der Boden etwas arbeitet.
Die Energie für die beiden Motoren beziehe ich aus einer 12V Autobatterie, denn Ihre Warnung, einfach ein Kabel vom Haus zu verlegen, habe ich mir gemerkt.
Ich bin mit Aufstellen, Einrichten und Anklemmen so nach 10 Minuten fertig. Dann teste ich das Seeing nach Pickering. Für meinen Vierzöller reichen 6/10 visuell und 7/10 fotografisch aus.
Im Laufe der Jahre habe ich mir eine ganze Menge Okulare gekauft. Nicht alle sind wirklich gut, nicht alle sind nötig, aber wenn man ein Schnäppchenjäger ist, sammelt sich auch Sinnloses.
Ich beobachte Planeten, die ich nach anfänglicher Skepsis mit immer besserer Präzision zeichne.
Im Zentrum steht für mich Jupiter. Wenn ich meine alten Aufzeichnungen durchsehe, so ist erschreckend, wie wenig ich zu Anfang gesehen habe. Da war ich dann schon auf dem Weg, ein richtiges Teleskop zu kaufen, so mit mindestens 6" oder noch mehr. Das legt sich aber, man muß nur zäh am Planeten bleiben. Meine Zeichnungen können es mit den gestackten Wegcambildern immer aufnehmen, Voraussetzung ist dann allerdings ein 7/10 Himmel.
Zur Jupiterbeobachtung setze ich das 7mm Plössl von Vixen ein. Das Okular ist vom Einblick eine Frechheit, aber zum Glück brauche ich ja keine Brille. Ich habe mehrere Okulare mit kürzerer Brennweite getestet, darunter auch Puristenware mit Stecknadelkopfaugenlinse und natürlich auch die 6 mm LV und das fast gleichlange Radian. Jupiter verträgt keine höheren Vergrößerungen, da sind 7 mm ideal.
Ganz ähnlich bei der diesjährigen Marsopposition. Ich bin Mars mit meinem ganzen Sortiment an Farbfiltern zu Leibe gerückt, aber 6mm war eindeutig zu hoch.
Anders wenn es um Saturn geht. Einzelheiten auf der Planetenkugel sind ja eher spärlich und weichgezeichnet, aber homogen hell ist sie auch nicht. Der Ring verträgt das 5mm LV, die Kugel selber das 6er.
Mond ebenfalls mit dem 6er und niemals mit dem 5er, weil da die Farbe durchkommt. Filtern mit leichtem Farbfilter hinter den Mondfilter geschraubt. Ohne Farbfilter sollte man nicht über 6 mm gehen.
Schaut schon mal Jemand sich die Kleinplaneten an? Warum nicht,die gehen hervorragend und einer muß doch kontrollieren, ob sie noch da sind, wo sie nach Meinung von Keppler und Nachfolgern sein sollten. Kleinplaneten gehen sogar bei Seeing 5/10 noch ganz famos. Die Ephemeriden liefert das Internet, früher die schrecklich stinkenden Leningrader Ephemeridentafeln.
Den Messiermarathon werde ich an meinem Standort nie schaffen, aber in Etappen habe ich schon über 70 Objekte gesehen. Sehr gut gehen, unabhängig von Seeing und Standort die Kugelsternhaufen und die offenen Sternhaufen. Schwierig bis superschwierig sind die kleinen Planetarischen Nebel und lichtschwächere Galaxien. Da kommen bei mir die längeren Okulare zum Einsatz, nämlich 9 mm Plössl und 12,5 mm Plössl. Noch längere Brennweite habe ich zwar, aber an meinem hellen Standort mit dem 25er zu beobachten, kann man sich abschminken, von 32er ganz zu schweigen.
Ein Wort zum Himmelsgucker-Wirbelsäulen-Syndrom. Es hilft nix, Planeten muß ich ohne Zenitspiegel oder Zenitprisma beobachten, soviel Purismus muß sein. Wer da keinen Unterschied sieht, der soll die Schutzkappe vom Objektiv entfernen.

Für einen Stadtmenschen aus Hennef ist das Vixen 102M genau richtig. Raustragen, aufstellen, durchgucken, freuen. Bisher ist noch kein Verschleiß aufgetreten, wenn man mal von dem genialen Plastikstellknopf absieht, den wir sofort ausgewechselt haben.
Die Montierung zuckelt brav über den Himmel, die Knöpfchen der Steuerung funktionieren immer noch, der Okularauszug auch. Die dünnen Aluärmchen habe ich verstärkt, kein Akt, aber trotzdem unerfreulich, sowas paßt nicht zum Perfektionsanspruch von Vixen.
Kann man das Teil empfehlen? Ich denke schon, besonders wenn man berufstätig ist und keine Zeit und Lust für Auskühlen und Justieren hat. Das Gewicht ist auch noch zumutbar, vielleicht ist es langweilig, weil vernünftig. Mir macht es Spaß und das ist die Hauptsache.

Karl-Heinz Gummersbach
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Wie versprochen: Meine Erfahrungen mit Vixen 102M und Firma Jülich

Karl-Heinz Gummersbach 4917 12. Dezember 2005 20:11

Re: Wie versprochen: Meine Erfahrungen mit Vixen 102M und Firma Jülich

Richard Schnabel 1907 13. Dezember 2005 21:02



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