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Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

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22. November 2019 20:02
Tschüss! Also sprach nicht Zarathustra, sondern ein recht streitbares Kurzzeitmitglied. Um sogleich gedanklich ein drohendes „I’ll be back!“ hinterherzuschieben. Nach einer angemessenen Karenzzeit hängte sich unser Forumsbereicherer (man sehe mir bitte das generische Maskulinum nach, auch Damen oder Menschen, die es noch werden möchten, sind aus ganzem Herzen mitgemeint) ein frisches Mäntelchen um und – Voilá!- da isser wieder. Es war schon fast ein bissel langweilig, aber jetzt performt ER wieder mit der ihm eigenen Energie. ER weilte ja schon einige mal unter uns und war eigentlich nie so ganz weg, denn sein wir doch mal ehrlich: Er/Sie/ Es war immer in unseren Herzen. So sehr es seinen Posts an inhaltlicher Substanz gebricht, so sehr beeindruckt doch wiederum die künstlerisch-formale Umsetzung. Dafür schon jetzt ein ganz dickes Lob an unser Chamäleon.
Wie kann ich mir da so sicher sein? Nun, ab der zweiten Wiederholungsschleife habe ich beschlossen, mich nicht mehr mit seinen (ich bleib jetzt einfach mal beim „Er“ - es ist wirklich ein Mann) Inhalten auseinanderzusetzen, sondern mich etwas genauer mit der Form der Beiträge zu befassen
Nachdem ich manches über die Arbeitsweise eines renommierten Sprachprofilers gehört hatte, begann ich plötzlich auch ein Interesse für die forensische Linguistik zu entwickeln. Ich hab Spaß daran, rein hobbymäßig Plagiate zu erkennen oder auch Texte Personen zuzuordnen.
Mir fiel zunächst auf, dass die Gastspiele in ihrer Dramaturgie einem recht ähnlichen Muster folgen. Der Meister eröffnet unter einem mehr oder minder interessant wirkenden Thema einen Faden. Zuweilen hängt ER sich auch irgendwo mit rein. In der Anfangsphase veröffentlicht ER quantitativ umfangreiche Überlegungen, einzelne Thesen oder einfach nur Beobachtungen. ER erklärt wortreich dass ER alle, die guten Willens sind mit einbeziehen wolle und wartet die eingehenden Reaktionen ab. Sind diese ihrem Inhalt oder auch der Form nach (sagen wir höflich und nett) für ihn bestätigend, so antwortet ER seinerseits meist sachlich, zuweilen aber auch explizit freundlich. Gibt es abwartende, zweifelnde oder klar ablehnende Meinungen, ändert sich der Ton. Der kann dann etwas kühler, aber immer noch sachlich sein. Wobei die direkte Ablehnung sofort als persönlicher Angriff empfunden und mit provozierend-spitzen Repliken bedacht wird. Ab hier fährt der Meister zweigleisig. Während gegenüber uneinsichtigen Zeitgenossen bereits die Eskalationsspirale in Gang gebracht ist, werden selektiv einzelne Forenten mit ausgesuchtem Wohlwollen behandelt. Hier offenbart unser Zauberer ein beachtliches manipulatives Talent. Wie er die einen mittels gezielt persönlicher Ansprache lobt, so geißelt er andere in seinem gerechten Zorn von nahezu alttestamentarischer Wucht. Dies hat ein korrumpierendes Moment für die Belobigten. Denn wer würde sich nicht über Beweise seines gewinnenden Charmes freuen? Jetzt kommt allerdings der Punkt, an dem es kritisch wird. So ein Forum hält eine ganze Menge unterschiedlicher Meinungen und ein breites Spektrum an individuellem Verhaltensrepertoire aus, bildet aber doch letzten Endes eine Gruppe von Gleichgesinnten, die ähnliche Ziele verfolgen. Wenn der Guru seinen Job gut gemacht hat, kommt es jetzt über die gewöhnlichen persönlichen Sympathien oder Vorbehalte hinaus zur Bildung von Grüppchen oder zur Abspaltung Einzelner. Zeigen sich Ansätze erfolgreicher Spaltung, kann der Meister richtig zulangen. Werden die vermeintlich Guten vom Meister in anbiedernder Zuwendung einbezogen („wir zwei“), so werden die Verstockten, die Zweifler und die verirrten Schäfchen (er liebt ja biblische Bilder) gemaßregelt.
Wenn er dann so richtig abgeht, also wenn er dem unkontrollierbaren Beißreflex nachgibt, offenbart ER (ich hätte IHN in frühmittelalterlichen Initialen malen sollen, allein der Huldigung wegen) ein paar Indikatoren, die sich unter allen Identitäten durch alle Beiträge ziehen. Beispielhaft soll hier nur eine begrenzte Auswahl von Aspekten benannt werden.

Die Durchführung bizarrer Tests von fragwürdiger Versuchsanordnung unter dem Postulat der nachvollziehbaren Einfachheit und des bewusst Nicht-akademisch-Abgehobenen (was grundsätzlich nicht schlecht wäre, wäre es angesichts SEINER Abgehobenheit authentisch und zeitigte es sinnvolle Ergebnisse).

Der wiederholte Verweis auf die eigene Uneigennützigkeit, dieses Sich-mit-Herzblut-Einbringen. So will ich auch werden, wenn ich mal groß bin.

Der Hinweis auf die Einzigartigkeit des eigenen Humors, den naturgemäß nur ein kleiner erlesener Zirkel der Mitmenschen verstehen kann.

Das Herausstreichen des persönlichen Opfers („Lebenszeit“ – mir wird warm ums Herz).

Das häufige Abstellen auf vorhandene/nichtvorhandene Intelligenz und die damit verbundene Bewertung. Die Intelligenz der geneigten Leserschaft wird von IHM wahlweise schnöd vorausgesetzt, platt eingefordert oder inbrünstig herbeigefleht.
(Und davor ekelt es mich jetzt mal richtig. Daher von mir jetzt ganz persönlich für IHN / SIE / ES völlig ironiefrei angemerkt : Intelligenz ist oft, aber keineswegs zwingend mit Klugheit (die man wohl positiv werten kann) korreliert. In meinem Falle schon mal nicht. Deswegen fang ich gleich mal bei mir an. Mir wird von Leuten mit gut abgehangener Menschenkenntnis eine durchschnittliche Intelligenz bescheinigt. Das hat mich noch nie daran gehindert, mich dumm wie fünf Meter Feldweg zu verhalten. Einer meiner Lehrer in Ornidingen betreibt internationale Spitzenforschung und leitet eine Denkfabrik. Das intellektuelle Gefälle zwischen dem Mann und mir ist größer als dasjenige zwischen mir und einem Menschen mit Trisomie 21. Dennoch scheint er als Professor die Gesellschaft eines Hilfsarbeiters zu schätzen. Weil er mich nicht abwertet. Anders herum sind mir eine ganze Reihe Menschen bekannt, die intellektuell eingeschränkt sind, mit denen ich aber gern kommuniziere, weil sie einfach angenehm sind und sich sehr lebensklug verhalten.)

Das Pathologisieren des Gegenübers (die Leute sollen sich auf Dinge hin prüfen lassen…)

Wird von anderen Forenten nicht auf einzelne seiner Fragen oder Ausführungen eingegangen, fühlt er sich übergangen und zu einem Konter nahe der Fairnessgrenze herausgefordert.

Die eingenommene Pose des zu Unrecht Verkannten.

Das angestrengte Ringen um Originalität, das sich in pseudointellektuellen Neologismen bar jeder Originalität äußert.

Der ruppig verkürzte Telegrammstil, gepaart mit kryptischen Andeutungen. Verstehe wer will, wer nicht versteht, ist das Verständnis des edlen geistigen Ejakulats auch nicht wert.

Der dahingeblaffte Imperativ („Selber Hirn einschalten!“).

Herabsetzende Grobheiten in einer plump konfrontativen Darreichungsform (ist uns nach Erleuchtung dürstenden Würmern sein Werk nicht wie Manna in der Wüste? Gleicht es nicht wirkungsvoller Medizin, bitter aber heilsam?)

Großen Unterhaltungswert hat für mich, wie er seine Kränkungsbereitschaft schon vorab im Subtext durchschimmern lässt (nur ernstgemeinte Beiträge erbittet, die konstruktive Kritik ausdrücklich willkommen heißt und -natürlich nur den intelligenten- Mitlesern im Geiste die Hand reicht).

Wahrhaft göttlich die Andeutungen geheuchelter Selbstreflexion (das weihevolle mit-Würde-verlieren-können und das kernige Manns-genug-sein).

Bislang unerreicht und somit mein persönlicher Favorit: „Das muss man doch langsam mal verstehen können, ich habe doch genug geschrieben, erklärt und gepredigt und fange nicht nochmals von vorn an“ Nein, er muss mitnichten von vorn anfangen. Wir werden jedes seiner Worte in der Kapelle unserer Herzen bewahren.

Soweit eine kleine Stilanalyse ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Es gebrach mir nämlich an verfügbarer Lebenszeit (jawollski! Soviel Zitat muss jetzt mal sein!). ER darf gern jede Zuordnung zu all seinen Namen abstreiten. Würde ich, obschon nicht halb so edlen Geistes wie ER, genauso machen. Fragt sich halt, ob IHM das jemand abnimmt. Es war schon ein Weilchen früher schwierig zu sagen, ob nun grad Jahwe, Zebaoth oder Jehova am Start war. Wir reden hier nicht von einer zarten Korrelation, sondern von ziemlich knackigen Markern. Für mich ein kleiner Wermutstropfen: er hat soviel Pulver verschossen. Jetzt kann ER eigentlich nicht mehr richtig dick nachlegen. ER kann höchsten noch einen Gang runterschalten, ein bissel Asche aufs Haupt, etwas PR-mäßiges Mea Culpa und gut is. Aber was ist dann mit mir? Mir wird ER fehlen, sein hochfahrendes Gebaren, der belehrende Duktus und die schmerzfreie Anmaßung. Ich fand das Wechselspiel zwischen huldvoller persönlicher Widmung und rabiatem Angriffsmodus immer kurzweilig. Ich mochte diesen Moment, wenn die aufkommende Resonanz sich nicht so ganz mit seinen Erwartungen deckte und seine Stimmungslage kippte. Diese Ruhe vor dem Sturm, kurz bevor er verstockte Widersacher, selbstvergessene Schwafler und elitäre Besserwisser brüsk anfuhr. Gebannt saß ich vor meinem Rechner. Ja, ich gebe zu, ich habe IHN gleichsam instrumentalisiert, um meine niedersten Instinkte, meinen primitiven Voyeurismus befriedigen zu können. Ja, es war wie MMA schauen. Es war wie live gucken in der UFC. Es war wie, als der Mann aus dem Kaukasus Nurmagomedov den Helden von der irischen Insel Connor McGregor wegräumte. Nein, anders, es war wie damals, als der große alte Recke George St.Pierre den nicht KO-baren Schlägerkönig Bisping schlafen schickte. Kurzum, es war so aufregend. Aber anders als die UFC live war es eben immer kostenlos.
Bleibt mir noch eine bange Frage. Wie lange macht er es diesmal mit? Nun, bis einer von uns mal richtig miteskaliert und der Admin vom Hausrecht Gebrauch macht oder bis die Forenten ihm geschlossen die Resonanz verweigern und nicht mehr über jedes hingehaltene Stöckchen springen.

Für seine nächste False-Flag-Operation sei dem Altmeister der Metamorphose auf den Weg gegeben, dass ein paar stilistische Anpassungen nicht ausreichen werden, seine spezifische Semantik geschweige denn seine psychologischen Muster zu verschleiern. Da bedarf es eines konzeptionell völlig neuen Ansatzes. Viel Spaß und vor allem viel Erfolg beim Üben wünscht

Reinhard
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Fluoritsammler 1749 22. November 2019 20:02

Re: Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Sebzwo 569 22. November 2019 20:35

Suche nach Anerkennung

Fluoritsammler 558 22. November 2019 21:12

Re: Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Vertigo 500 22. November 2019 21:08

zuviel der Ehre?

Fluoritsammler 475 22. November 2019 21:17

Re: Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Manfred Gunia 565 22. November 2019 21:30

Re: Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Sebzwo 536 22. November 2019 21:47

Re: Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Ist_ja_alles_so_schoen_bunt_hier 506 24. November 2019 22:14

Re: Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Pim 548 25. November 2019 11:21

Re: Mimikry mit kurzer Halbwertszeit - mal ganz grundsätzlich

Holger Merlitz 617 23. November 2019 10:03

ich weiß nicht so recht..........

Dominique 613 23. November 2019 10:21

Re: ich weiß nicht so recht..........

Holger Merlitz 601 23. November 2019 10:30

schöne Bestimmungshilfe

Fluoritsammler 550 23. November 2019 10:54

Märchenstunde oder Hexenjagd?

Dekarem 550 24. November 2019 21:31

Frage:

Dominique 532 25. November 2019 06:11



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