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Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich

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31. Dezember 2018 01:03
Hallo Fernglasfreunde!

Schon mit der Vorstellung des ersten Vergleichskandidaten habe ich mich als Freund geringer Vergrößerungen bei hinreichend dimensionierter Austrittspupille in kompakten Ferngläsern zu erkennen gegeben. Das damals beschriebene Opticron Traveller Mg wird immer noch gut genutzt und weiterhin geschätzt. Einzig der gelegentliche Blick zu den Sternen bleibt im kleinen Traveller wenig zufriedenstellend, so dass ich ständig die Augen nach Alternativen offen halte.

So fand kürzlich ein Minolta 7x35 Standard Extra Wide seinen Weg zu mir. 11° Gesichtsfeld klangen fast zu schön, um wahr zu sein. Das Glas konnte zwar die niedrig gesteckten Erwartungen übertreffen, eine leichte Dejustage machte den Durchblick aber etwas anstrengend und so gab ich es schnell zurück. Sonst schlug es sich ganz gut, die Randunschärfe setzte erst bei etwa 70% des Bildradius ein und hielt sich dabei in akzeptablen Grenzen. Der Pupillenabstand war allerdings extrem knapp, für Brillenträger wäre das nichts.

Das neue Vixen SG 6,5x32 wäre noch ein interessanter Kandidat, allerdings schreckt mich die Einzelokularfokussierung, (ich möchte das Fernglas nicht nur für Sterne verwenden) so dass ich das verlangte Geld dafür momentan nicht ausgeben möchte.

Als dann das besagte Meopta auf dem Gebrauchtmarkt erschien und sich der Verkäufer als verhandlungsbereit herausstellte, eröffnete sich die Möglichkeit für diesen Vergleich.

Zum MeoPro 6,5x32 gab es hier schon eine kontroverse Diskussion, die allerdings wenig mit dem Gerät an sich zu tun hatte. Allerdings hat wohl Meopta selbst mit widersprüchlichen Datenblättern zur Verwirrung beigetragen. Es finden sich dort zwei Angaben zum Sehfeld, die sich ausschliessen, so dass man erst mal Mühe hat, sich ein Urteil zu bilden. Der Vergleich mit dem Opticron konnte hier (zumindest für mich) einige Aufklärung bringen.

Kommen wir zum Vergleich der beiden Kandidaten.

Auch wenn beide Ferngläser offenbar sehr ähnlich bepreist waren/sind (329 Euro beim Meopta gegen 299 Euro für das Opticron) gibt es mechanisch bzw. von der Ausführung her deutliche Unterschiede. Diese rühren aber meines Erachtens nach nicht von unterschiedlich angesetzten Rotstiften her, sondern von den ziemlich gegensätzlichen Konzepten.

Während das Opticron Traveller Mg konsequent auf Kompaktheit und geringes Gewicht ausgelegt ist, steht beim Meopta MeoPro offenbar die Robustheit und sichere Handhabung im Vordergrund. Der resultierende Unterschied im Erscheinungsbild ist frappierend: Man meint, verschiedene Geräteklassen vor sich zu haben.

Das Opticron spart sich einen großen Teil der Gummiarmierung, was nicht verkehrt gedacht ist. Hat man die Objektivkappen installiert, ist das Glas beim Transport ausreichend geschützt, die Kappen inkl. Halteschlaufen übernehmen quasi die Funktion der Armierung am objektivseitigen Ende. Oben schützen die Gummiaugenmuscheln bzw. ebenfalls die Abdeckung. Im Griffbereich gibt es Gummi, die Hände danken es bei kaltem Wetter.

Das Meopta ist hingegen vollumfänglich und großzügig mit grünem Gummi eingekleidet. Alles sitzt stramm und die Dicke des Gummis liegt eher auf der sicheren Seite, nichts erscheint unzureichend geschützt. Zudem sind auch die Tuben selbst offensichtlich überdimensioniert. Objektivseitig erkennt man einen mehrere Millimeter breiten Ring zwischen Tubuswand und Linse. Ob das anders dimensionierten Prismen geschuldet ist oder nur dem Wunsch nach guter Greifbarkeit, kann ich nicht beurteilen.

Deutlich ist der Unterschied bei den Okularen. Das Opticron bietet für die Augenmuscheln nur einen einfachen linearen Auszug, immerhin mit vier deutlich definierten Rastpunkten. Beim MeoPro lassen sich die Augenmuscheln hingegen bequem herausdrehen und rasten dabei an drei Positionen ein.

Im Traveller steckt der Dioptrienausgleich sehr versteckt im rechten Okular - die ausziehbare Augenmuschel kann auch gedreht werden. Eine Markierung gibt es dabei nur für die Nullstellung sowie Plus und Minus, aber auch hier helfen klar definierte Rastungen für die Wiederholbarkeit einer Einstellung. Beim MeoPro ist der Dioptrienausgleich hinter dem Mitteltrieb angeordnet. Damit lässt er sich sehr bequem einstellen, wenn das Glas am Auge ist.

Das knappere scheinbare Gesichtsfeld des Travellers ist sicher auch Folge der Konzentration auf Kompaktheit, das Traveller ist immerhin 13mm kürzer als das sehr kompakte Ultravid 8x20 und im betriebsbereiten Zustand nur unwesentlich breiter und höher.

Damit kommen wir zum Mysterium des wahren Gesichtsfeldes beim 6,5er MeoPro. Der Hersteller gibt 134m und 8,4° an, wobei offensichtlich (mindestens) ein Wert falsch sein muss. Beim Opticron sind 141m und 8° angegeben, was konsistent erscheint.

Es hat im direkten Vergleich etwas gedauert, überhaupt Unterschiede bzgl. Vergrößerung und Gesichtsfeld zu erkennen. Ein schneller Vergleich konnte auch befragte Außenstehende nur zur Aussage: „Ungefähr gleich“ bewegen. Aber beim genauen Betrachten weit entfernter Objekte zeigte sich doch der Vorteil des MeoPro in beiden Aspekten, also leicht größeres absolutes Bildfeld bei einer leicht höher erscheinender Vergrößerung.

Eine Website (Best Binocular Reviews) gab für das MeoPro von den Herstellerangaben abweichende Daten an. Das lässt vermuten, dass sie diese Werte selbst bestimmt haben. Dort wird für das 6,5er MeoPro ein wahres Gesichtsfeld von 8,25°/144m angegeben. Das passt zu meiner Beobachtung des sehr leichten Unterschiedes besser als die einfach auf Basis der plausibleren Herstellerangabe umgerechneten 8,4°/148m. Jedenfalls wird das Traveller Mg (8°/141m) damit zwar nicht deklassiert, aber erkennbar geschlagen.

Ebenfalls im Vorteil ist das MeoPro beim Einblick. Dieser gelingt doch spürbar einfacher und entspannter als beim Opticron, obwohl ich diesen nie als anstrengend empfand. Der jeweilige Hersteller gibt hier für beide Geräte 19mm Pupillenabstand an, das MeoPro scheint dabei aber fast noch etwas großzügiger zu sein.

Bei der reinen Bildqualität am Tage tue ich mich schwer, Unterschiede zu sehen. Beide Geräte liefern helle, farbneutrale Bilder mit guten Kontrasten. Kein Gerät wirft mit Farbsäumen um sich oder legt bei Gegenlicht Schleier über das Bild. Verbiegt man sich die Pupillen, um den äußersten Rand anzusehen, zeigt das Meopta-Fernglas ganz außen (vielleicht max. 5% des Bildradius) einen deutlich schlechteren Rand, der manchmal ziemlich bunt erscheint. Das ist aber nicht erkennbar, wenn man den Blick auf das innere Feld ausrichtet. Vielleicht ist die Brillianz der Farben im Opticron marginal besser, vielleicht bietet das Meopta einen Hauch mehr Schärfentiefe, aber das sind höchstens Nuancen. Beide Geräte schlagen sich hier sehr gut, leisten sich keine offensichtlichen Schwächen.

Nachts entsteht aus anderen Gründen ein Unentschieden. Hier macht sich das größere Gesichtsfeld des MeoPros deutlicher bemerkbar und führt zu eindrucksvolleren Anblicken. Gürtel und Schwert des Orion passen in ein Bildfeld und liefern einen sehr ästhetischen Anblick. Das Traveller Mg hingegen zeigt dann doch brillantere Sterne, es scheinen auch ein paar mehr zu sein. Ob das nur an der größeren Austrittspupille von 5,3mm gegenüber den 4,9mm des Meopta-Glases liegt, oder die Auflösung tatsächlich etwas höher ist, kann ich nicht abschließend beurteilen. Wirkliche Astrogläser sind beide nicht, das ganze Bildfeld ist nie scharf, fokussiert man aufs äußere Feld, ist die Mitte unscharf oder umgekehrt. Das fällt beim Traveller Mg noch etwas deutlicher auf als beim MeoPro, weil gut fokussierte Sterne da noch nadelfeiner aussehen.

Insgesamt musste ich verblüfft feststellen, dass für beide Geräte die offensichtlichen Designziele sehr gut erreicht wurden ohne dabei schmerzhafte Kompromisse eingehen zu müssen. Das MeoPro gleitet satt in die Hand und die Augen finden sich mühelos zurecht. Das höhere Gewicht fördert die Bildruhe ohne schnell anstrengend zu werden. Das Glas ist gemacht für tägliche, fordernde Benutzung ohne Stolpersteine oder ärgerliche Kleinigkeiten.

Das Traveller Mg kommt dagegen getreu dem Namensmotto mit zwei Dritteln des Gewichts des MeoPro und deutlich weniger Packmaß aus. Und das, ohne bei der Bildqualität Abstriche zu machen. Bis auf das nicht mögliche Zusammenfalten bleibt es bezüglich der Kompaktheit kaum hinter ausgewiesenen Taschenferngläsern zurück. Auch die Leistungsdaten (Vergrößerung, Sehfeld) liegen nur leicht unter denen des MeoPro. Dafür ist die Handhabung etwas umständlicher, alles etwas fummeliger und der Einblick nicht ganz so tiefenentspannt.

Im Ergebnis kann ich nur ein Unentschieden auf hohem Niveau ausrufen. Ich würde beide Gläser insgesamt mit einem „Sehr gut“ bewerten, auch wenn beide Gläser in unterschiedlichen Kategorien Akzente setzen.

Bleibt die Frage, welches ich behalten soll. Im 8x42-Sektor hat ja ein exotisches Miyauchi EXLD mein ultra-seriöses Leica Ultravid BL durch eine ähnliche Gleichwertigkeit (bei günstigerem Preis) ersetzt. Diese Entscheidung wurde im Bereich 6(,5)x32 erstmal vertagt. Im Gegensatz zu den üblichen Alphas bindet ja auch keines der beiden in gleichem Maße finanzielle Mittel.

Viele Grüße und einen guten Rutsch!
Sebastian
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Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich Anhänge

Bergmann Schaefer 573 31. Dezember 2018 01:03

Re: Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich

Dominique 196 31. Dezember 2018 09:41

Re: Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich

Bergmann Schaefer 218 03. Januar 2019 12:44

Re: Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich

Holger Merlitz 210 31. Dezember 2018 10:47

Re: Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich

AndreasVSA 180 31. Dezember 2018 11:17

Re: Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich

Stephan R. 183 31. Dezember 2018 12:14

Re: Kurze 32er: Opticron Traveller Mg 6x32 vs. Meopta MeoPro 6,5x32 im Vergleich

OhWeh 193 31. Dezember 2018 14:10



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