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Himmelsbeobachtungen aus Formentera

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Arnold M. Wassermann
30. Juli 2001 08:34
Die Welt ist klein. Wir hatten einen kleinen Ferienbungalow auf der Insel Formentera gemietet. Bei gutem Wetter wollten meine Frau und ich abends in der Nähe des Leuchtturms den Himmel beobachten.
Neben einem Vixen Ultima 10 x 50 Glas hatte ich noch ein 100/1000 Rubinar mit Fotostativ im Gepäck. Bereits am zweiten Abend trafen wir einen Bayern, der die gleiche Idee hatte. Sein Fernglas war ein 10 x 40 Nikon, sein Paradestück war aber das ETX 125.
Einen Tag später gesellte sich noch ein weiterer Sternfreund mit seinem Steiner 9 x 63 Glas hinzu.
Wir haben intensiv beobachtet und auch dabei die Vor- und Nachteile der verschiedenen Geräte untersucht.
Bereits nach 21h war es ausreichend dunkel, die Milchstraße war gut zu erkennen, Mars war hoch genug, in der ersten Woche war der Mond unsichtbar, danach war er beliebtes Objekt.
Die Ferngläser haben wir im direkten Vergleich getestet, wir wollten wissen, wie sich jeweils 10 mm zusätzlicher Öffnung bemerkbar machen.
Wir haben uns dann auf meinen Karkoschka gestützt und überwiegend Offene Sternhaufen, Nebel und Galaxien beobachtet.

Die meisten Objekte aus dem Virgohaufen sind für das Nikon mit 42 mm unerreichbar. Eine Flächenhelligkeit oberhalb von 9m ist zuviel für das kleine Glas.
Das Ultima zeigte hier geringfügig mehr. Sichtbar wurden die Galaxien jedoch erst im 63mm Glas. Kapriziert man sich auf die mit 9-10m angegebenen Objekte, so gilt nach unseren Beobachtungen.

M99, beschrieben mit hellem Zentralkern,
- im Nikon, alle drei Beobachter sehen nichts
- im Vixen, zwei Beobachter sehen indirekt, ich, der Besitzer, sehe nichts.
- im Steiner, alle drei Beobachter sehen einen kleinen konturenlosen Klecks.
- im ETX125 mit 32 mm Meade Okular ist eine helle Zentralregion und ein weiterer Knoten zu sehen.
- im Rubinar sieht man nur die helle Zentralregion, der Knoten ist mehr zu ahnen als zu sehen.

M88, beschrieben als konturenlos,
- im Nikon, negativ wie vor
- im Vixen, zwei Beobachter negativ
- im Steiner, 3 Beobachter sehen direkt.
- im ETX125 wieder völlig problemlos. Im Rubinar ebenfalls

Ganz anders sieht es aus, wenn man in Richtung M84, M86, M87 blickt. Obwohl lediglich 0,5m heller, reicht es aus, um ohne besondere Anstrengung im Vixen diese Objekte zu sehen, nicht zu ahnen. Auch im Nikon sind die Galaxien einwandfrei zu sehen.

Natürlich haben wir uns auch die Objekte betrachtet, die im Frühsommer mit bloßem Auge sichtbar sind.

M31, der Andromedanebel ist bereits im kleinen Nikon schöner zu beobachten als im Rubinas oder dem ETX. Mit ein bißchen Ausdauer ist er bei dunklem Nachthimmel auch ein Objekt für unsere Augen.

M13, war ebenfalls mit bloßem Auge sichtbar, obwohl im Atlas mit 6m angegeben. Hier bringen Ferngläser nur etwas mehr Helligkeit. Man braucht Vergrößerung. Ein tolles Objekt im ETX, im Rubinar eher mittel, es fehlt an Auflösung.

Einige Nebel in der südlichen Milchstraße sind ebenfalls mit bloßem Auge sichtbar. Am überzeugensten sieht man sie im Fernglas. In den Maksutows ist das Bildfeld zu klein. Das Fernglas mit der größten Öffnung und dem weitesten Gesichtsfeld (Steiner) war mit großem Vorsprung am besten geeignet.

Der offene Sternhaufen in der Coma war ein interessanter Test für Weitwinkel, Randschärfe und Komfort.
Das Nikon ist konsequent, es hat ein ziemlich kleines Gesichtsfeld (geschätzt ca. 4,5°) , zeichnet aber alles ziemlich scharf ab. Man bemerkt aber starke Verzeichnungen.
Das Ultima ist deutlich weitwinkliger (geschätzt ca. 5,5°), der äußerste Rand ist aber unscharf, die Verzeichnungen sind kleiner als beim Nikon.
Das Steiner ist mit knapp 7° als einziges Glas in der Lage, alle Sterne des Haufens zusammen ins Blickfeld zu bringen. Das ist dann aber schon alles. Es verzeichnet und ist unscharf über einen weiten Bereich. Herr Thomas hat nach seiner Rückkehr das Glas reklamiert. Sein Händler ist aber sicher, es wäre kein Ausreißer.

Beim Versuch, mit Ferngläsern das Trennvermögen zu testen, fiel uns auf, daß die Gläser eng beieinanderlagen. Die Optiken wurden nicht wirklich gefordert, weil die Vergrößerung zu gering war.
Es fiel aber auf, daß unser Bayer mit allen drei Gläsern Objekte trennen konnte, die für uns andere eindeutig zusammenwaren. Beim späteren Lesen von Autonummernschildern hat er diese extrem bessere Auflösung seiner Augen bestätigen können. Seine Lichtempfindlichkeit war aber nicht besser, unsere Versuche mit Grenzgrößen gewann ich ganz knapp.

Vom Mittelmeer aus war die Position unseres kriegerischen Planeten Mars hoch genug. So waren wir gespannt, was unsere zwei Maksutows
leisten würden.

Das Rubinar schlägt sich bei mittleren Vergrößerungen bis etwa 100 fach ganz wacker, mir wahr aber klar, das wirklich hohe Vergrößerungen sinnlos sind, zumal ich nur mein Velbon-Stativ mitgenommen hatte. So blieb Mars konturenlos. Es tröstet mich auch nicht, daß die Russentonne besonders preiswert ist, denn sie ist für den Aufgabenbereich Planeten und Mond kaum geeignet.

Über das ETX125 habe ich schon genug Klagen gehört. Dies konnte unser Bayer so nicht bestätigen. Er war mit der Optik zufrieden und schimpfte nur auf den Sucher und die Stabilität der Montierung. In jedem Fall waren Beobachtungen mit dem 9,7 mm Meadeokular problemlos möglich. Der Computer war auch immer in der Lage, das verlangte Objekt zumindest in den Blickwinkel eines 32 mm Okulars zu bewegen. Dies war mit Geräuschen und Geknacke
verbunden, funktionierte aber trotzdem einwandfrei. Zu bemängeln ist optisch lediglich das winzige Feld. So hinterläßt das ETX125 visuell einen ordentlichen Eindruck. Man hat ein sauberes Beugungsbild, intrafokal und extrafokal ziemlich gleich.

Die Optik löst die Ränder von M13 auf, begeistert bei fast 260fach am Mondterminator, versagt erwartungsgemäß dann beim Nordamerikanebel, der unsichtbar bleibt, es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, der Astrocomputer positioniert, aber die Optik versagt. Hier hätte Meade ruhig etwas ehrlicher sein können.
Wir haben ein paar Doppelsterne getestet. Mein Rubinar trennt Doppelsterne etwa ab 2,5" in zwei runde Punkte, das ETX dagegen noch etwa 1,7". Mich hat das ETX bei hohen Vergrößerungen ziemlich begeistert.

Die Hochebene ( ca. 150 Meter ) auf Formentera kann für astronomisch interessierte empfohlen werden. Die Grenzgröße war etwa 5,8mag oder sogar besser. Das Seeing war ebenfalls gut. In unseren 3 Wochen haben wir mindestens 50 Stunden beobachtet, dazu brauche ich zu Hause fast ein ganzes Jahr.

Arnold Wassermann
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Himmelsbeobachtungen aus Formentera

Arnold M. Wassermann 3019 30. Juli 2001 08:34



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