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Re: Nikon HG L DCF Kompaktgläser

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14. September 2017 16:04
Hier mal der Bericht von Walter E. Schön:



Obwohl ich hier im Forum bei vielen wahrscheinlich als Leica-Fan gelte, muß ich nach meiner eigenen, sehr ausgiebigen Erfahrung mit Kompaktferngläsern der Topklasse eindeutig die Nikon-HG-DCF-Gläser als die derzeit besten empfehlen. Ich besaß früher selbst ein Zeiss Classic 10x25, ein Leica Trinovid 8x20 BCA (Vorgängerversion), ein Leica Trinovid 10x25 BC (aktuelle Version) und besitze zur Zeit noch immer ein Leica Trinovid 8x20 BC Titan (aktuelle Version) und je ein Nikon 8x20 HG DCF und 10x25 HG DCF (aktuelle Version).

In der Transmission (Helligkeit) stehen Leica und Nikon auf gleich hohem Niveau (die Silberverspieglung der Nikons bringt also keinen sichtbaren Gewinn). Im Farbton können mit bestem Gewissen beide auch unter verschärften Ansprüchen von Ornithologen als neutral gelten; im direkten Vergleich gibt es jedoch einen winzigen Unterschied: Leica tendiert minimal nach Grünlichgelb, Nikon ebenso minimal nach Purpur - wie gesagt aber nur in Nuancen, keineswegs als „Farbstich” wahrnehmbar. Hinsichtlich der Streulichtanfälligkeit sind Leica wie Nikon zwar sehr gut, aber nicht ganz auf dem Niveau „großer” Top-Ferngläser, da der enge und kurze Tubus diesbezügliche Optimierung erschwert. Beide können bei Gegenlicht (z.B. nachts Lampen geringfügig außerhalb des Gesichtefeldes, tags auch helle sonnenbeschienene Flächen wie z.B. weiße Hauswände) ein wenig Streulicht und Reflexe zeigen, jedoch je nach Winkel und Richtung der Lichtquelle zur opt. Achse etwas verschieden, so daß ich (ohne umfassende Tests mit exakter Untersuchung sämtlicher Einfallsrichtungen) nicht sagen kann, wer besser ist. Je nach Lage und Ausdehnung Lichtquelle kam mir mal das eine und mal das andere Fabrikat besser vor.

Die Schärfe ist in weitem Bereich ums Zentrum gleich gut, soweit jedenfalls die Auflösung des Auges noch eine Differenzierung zuläßt. Da ich das relativ teure Zeiss Monokular 3x12 B besitze, das auch als Booster für die großen Zeiss-Victory-Ferngläser empfohlen wird (das Monokular wird unmittelbar vor einem Okular angebracht und verdreifacht die resultierende Vergrößerung, ich habe es mir als 3fach-Booster ans Leica Ultravid 12x50 BR angepaßt), konnte ich damit die Mittenschärfe der Kompaktferngläser auf dem Stativ unter verschärften Bedingungen testen, und auch da ergab sich kein erkennbarer Unterschied zwischen Leica und Nikon. Das bedeutet, daß die Schärfe beider im achsennahen Bereich jedenfalls besser ist, als das Auge des Betrachters ausflösen kann und daher eventuell vorhandene Unterschiede jenseits der Unterscheidungsgrenze des Betrachterauges liegen, also irrelevant sind.

Im Randbereich sieht es jedoch etwas anders aus. Das Leica 8x20 fällt dort erkennbar ab, was bei Naturbeobachtung nicht stört, solange man das Auge nicht im Gesichtsfeld umherwandern läßt. Üblicherweise wird man (insbesondere bei einem stets per Hand gehaltenen Kompaktfernglas) das zu betrachtende Motiv ins Zentrum des Gesichtsfeldes stellen und bei Bedarf das Fernglas nachführen, wenn sich das Motiv bewegt oder man andere Details betrachten will. Der scharfe Bereich ist auch beim Leica 8x20 sehr groß, und somit gibt es mit dem Schärfeabfall am Rand keine Probleme. Allerdings fällt diese Unschärfe stärker auf, wenn man Sterne betrachtet (aber jeder weiß, daß so ein Kompaktfernglas aufgrund seiner kleinen „Lichtstärke” kein ideales Astroglas ist). Dennoch muß als klarer Vorteil des Nikon 8x20 HG DCF bzw. 10x25 HG DCF die bis zum äußersten Rand erstaunlich hohe Schärfe genannt werden. Für Schärfefanatiker sind die beiden Nikons daher eindeutig die bessere Wahl.

Hinsichtlich des Gesichtsfeldes bestehen so geringe Unterschiede, daß diese in der Praxis absolut keine Rolle spielen. Man kann die winzigen Unterschiede in den Herstellerangaben (Leica 115 m bzw. 95 m und Nikon 119 m bzw. 94 m) zwar bei den 8x20ern auch nachvollziehen, wenn man die Ferngläser auf einem Stativ befestigt und gezielt die Bildkreisränder anpeilt, aber selbst da sind die Unterschiede so klein, daß ich ihnen keine praktische Bedeutung beimesse. Bei dem 10x25-Gläsern sind auch bei dieser kritischen Prüfung Unterschiede praktisch nicht erkennbar.

Bleibt als letzter wichtiges optisches Leistungskriterium die Verzeichnung. Die Leicas verzeichnen in der üblichen Weise schwach kissenförmig, wohl vor allem wegen des kleineren Gesichtsfeldes deutlich schwächer als die „großen” Leica Trinovids, Ultravids und Duovids, und kompensieren damit sehr gut den sog. Globuseffekt (scheinbares Abrollen der betrachteten Szene auf einer Kugel- oder Zylinderoberfläche beim Schwenken des Fernglases). Dagegen sind die beiden kompakten Nikons nahezu verzeichnungsfrei; ob eine kissen- oder tonnenförmige Restverzeichnug besteht, müßte mit Meßgeräten geprüft werden, visuell ist angesichts der kreisförmigen Bildfeldbegrenzung keinerlei Verzeichnung feststellbar. Das ist einerseits ein Vorteil, wenn man z.B. Gebäude mit geraden Kanten bei ruhendem Fernglas betrachtet, aber andererseits wird dadurch der Globuseffekt in voller Stärke sichtbar, wenn das Fernglas geschwenkt wird. Was nun besser ist, hängt davon ab, ob der Betrachter viel schwenkt (z.B. bei Pferde- oder Autorennen, beim Verfolgen flüchtigen Wilds oder bei „Abscannen” von Waldrändern) oder vorzugsweise ruhende Motive ohne Fernglasschwenks betrachtet; aber es ist auch ein wenig davon abhängig, wie stark der Einzelne den Globuseffekt als störend empfindet. Ich kann für mich sagen, daß dieser mich nur wenig stört und ich dem verzeichnungsfreien oder verzeichnungsarmen Fernglas den Vorzug gebe. Aber das können andere wieder anders sehen.

Nun zu den mechanischen Eigenschaften. Die Leicas liegen in der Kompaktheit eindeutig vorn. Wer also ein Kompaktfernglas gerade unter dem Aspekt bestmöglicher Kompaktheit und geringsten Gewichts kaufen will, findet in den Leicas derzeit das Nonplusultra. Die Nikons sind etwas länger, und speziell zusammengefaltet erheblich dicker; die Gürteltasche wirkt im Vergleich zu der von Leica daher geradezu riesig, und die Nikons sind deutlich schwerer (Nikon 8x20 HG wiegt 282 g, Leica 8c20 BC degegen nur 232 g, jeweils mit Umhängekordel bzw. -riemen, mit Gürlertasche Nikon 345 g gegen Leica 272 g). Allerdings sind die Nikon-HG-Kompaktferngläser nicht nur spritzwassergeschützt wie die Leicas, sondern richtig wasserdicht (also auch regenfest und sogar abwaschbar).

Von der Verarbeitung her sehe ich keinen Qualitätsunterschied. Sowohl die Leica- wie die Nikon-HG-Kompaktferngläser sind vorzüglich verarbeitet und superstabil. Bessere Materialien und bessere Verarbeitung sind eigentlich nicht denkbar.

In der Handhabung stufe ich ebenfalls beide Marken gleich gut ein. Die Fokussierwalzen sind bei beiden griffgünstig, bei den Nikons jedoch gewöhnungsbedürftig (wie bei den Swarovskis) objektiv- und nicht okularseitig in der Mittelplatte angeordnet. Die Friktion ist in beiden Fällen ein guter Kompromiß aus Leichtgängigkeit und Sicherheit gegen versehentliches Verstellen. Die Untersetzung erlaubt ebenfalls in beiden Fällen ein schnelles Durchfahren des vollen Scharfstellbereichs bzw. ein schnelles Verfolgen sich nähernder oder entfernender Objekte. Der Dioptrienausgleich erfolgt unterschiedlich: Bei den Leicas mit einem Drehring ums rechten Objektiv, bei den Nikons an einem kleinen Rädchen mittig in der Mittelplatte (etwa dort, wo bei den Leicas die Fokussierung liegt). Beide haben eine Skalierung und sind bequem und präzise zu bedienen und ausreichend sicher gegen versehentliches Verstellen.

Die Gummi-Okularhülsen sind bei den Leicas durch Herausziehen, bei den Nikons durch Verdrehen in die Position für Nicht-Brillenträger zu bringen. Das geht bei den Leicas schneller und einfacher und ist wegen des hör- und spürbaren Einrastens in der Endposition ebenso sicher wie bei den Nikons. Einen praktischen Vorteil der Drehfassung (wie er hier im Forum bei anderen Ferngläsern schon öfter propagiert wurde) sehe ich nicht – im Gegenteil habe ich den Wechsel Leicas von Schiebe- (Trinovid) zu Drehhülsen (neue Ultravids) bedauert.

Der Augenabstand (Pupillenschnittweite, nicht Achsenabstand) dürfte nach meiner Schätzung bei den Nikons etwa 1 mm größer sein (Nikon gibt für beide Modelle 15 mm an, Leica macht keine Angaben). Ich als Brillenträger habe mit beiden Fabrikaten keine Probleme, das volle Bildfeld zu überblicken, muß das Nikon-Glas aber etwas lockerer an den Brillengläsern anlegen als das Leica.

In der Naheinstellung unterscheiden sich die beiden 8x20-Gläser ein wenig; das Leica 8x20 kann bis 3 m scharfgestellt werden (mein früheres Leica 8x20 BCA ging sogar bis 2,5 m) und das Nikon 8x20 HG bis 2,4 m. Größer ist der Unterschied bei den 10x25-Modellen; hier reicht das Leica bis 5 m, aber das Nikon bis zu beachtlichen 3,2 m. Der Überhub bei unendlich ist bei beiden Fabrikaten so groß, daß ich mit meinen -5 Dioptrien auch ohne Brille auf unendlich scharfstellen kann, und es bleibt sowohl bei Leica als auch Nikon noch ein bißchen Reserve darüber hinaus, die wohl mindestens bis -6 oder gar -7 Dioptrien reichen könnte.

Zusammenfassung: Wer der optischen Leistung Priorität vor Kompaktheit und Gewicht einräumt, sollte ein Nikon HG nehmen. Wer hingegen ein Kompaktfernglas sucht, das so kompakt und leicht wie möglich ist, aber dennoch erstklassige Abbildungsqualität bietet, sollte sich für ein Leica entscheiden. Die Hauptunterschiede knapp zusammengefaßt: Leica ist deutlich kleiner und leichter, aber am Bildkreisrand nicht mehr perfekt scharf, und es verzeichnet einerseits leicht kissenförmig, beugt damit jedoch andererseits dem Globuseffekt vor, der manchen bei Nikon stören könnte. Nikon (vor allem das 10x25) läßt sich näher einstellen und ist wasserdicht.

Da mir persönlich die Randschärfe und Verzeichnungsfreiheit wichtiger ist als Gewicht und Größe, habe ich für meine Frau ein Nikon 8x20 HG und für mich als Liebhaber etwas stärkerer Vergrößerung ein Nikon 10x25 HG gekauft. Nun aber zeigte sich, daß meine Frau dennoch das Leica 8x20 BC Titan wegen seiner „schnuckeligen” Kompaktheit und des geringeren Gewichts vorzieht und unbedingt behalten will. Und ich stellte beim ausgiebigen Vergleichen der beiden Nikons 8x20 HG und 10x25 HG fest, daß nunmehr auch ich meine Präferenz geändert habe: Ich werde das Nikon 8x20 HG wählen, weil es mir eine deutlich größere Schärfentiefe bietet. Der Grund liegt darin, daß die Schärfentiefe mit zunehmender Vergrößerung etwa quadratisch abnimmt (das 10x25 mit 1,25mal so starker Vergrößerung wie das 8x20 bietet eine um den Faktor 1,25ˆ2 = 1,6 geringere, also auf 1/1,6 reduzierte Schärfentiefe), so daß ich wegen meiner altersbedingt schon merklich verminderten Akkomodationsfähigkeit – ich trage deshalb eine Gleitsichtbrille - beim 10x25 viel häufiger nachfokussieren muß als bei 8x20.

Das bedeutet, daß ich mein zunächst favorisiertes Nikon 10x25 HG wahrscheinlich demnächst im Biete-Forum speziell jüngeren Anwendern (mit noch hoher Akkomodationsfähigkeit) als das derzeit beste Kompaktfernglas seiner Klasse zum Verkauf anbieten werde. Wer Interesse hat, kann sich schon jetzt bei mir melden. Dieser vergleichende Testbericht sollte jedoch nicht als Verkaufshilfe für dieses Fernglas interpretiert werden, sondern ist meine ehrliche Beschreibung der von mir in sehr gründlichen Tests festgestellten Unterschiede.

MfG Walter E. Schön
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

[8x25] Kaufberatung

Konstanzer 1352 09. September 2017 14:44

persönliches Testen unumgänglich

Mick 504 09. September 2017 16:13

Re: persönliches Testen unumgänglich

Konstanzer 372 10. September 2017 08:45

Re: persönliches Testen unumgänglich

Mick 376 10. September 2017 10:01

Re: persönliches Testen unumgänglich

Konstanzer 340 11. September 2017 12:37

Bilder Teil 1 Anhänge

Mick 433 12. September 2017 20:06

Bilder Teil 2 Anhänge

Mick 293 12. September 2017 20:13

Re: Bilder Teil 1

OhWeh 307 12. September 2017 20:22

Re: persönliches Testen unumgänglich

Klaeser 291 14. September 2017 08:43

Docter Compact 8x21 Kurzbericht

Mick 332 14. September 2017 12:40

Re: [8x25] Kaufberatung Anhänge

Dominique 533 09. September 2017 16:57

Re: [8x25] Kaufberatung

Konstanzer 319 10. September 2017 08:48

Kompaktglas

chrischde 450 09. September 2017 17:29

Re: Kompaktglas

OhWeh 361 09. September 2017 21:53

Re: Kompaktglas

Konstanzer 326 10. September 2017 09:22

Re: Kompaktglas

OhWeh 351 10. September 2017 10:36

32er Kompaktglas

Stefan Schwarz 366 10. September 2017 11:14

Re: 32er Kompaktglas

Dominique 331 10. September 2017 12:43

Re: 32er Kompaktglas

Konstanzer 249 11. September 2017 12:41

Re: Kompaktglas

Bert B. 328 10. September 2017 11:25

Re: Kompaktglas

chrischde 357 10. September 2017 16:08

Re: Kompaktglas

Konstanzer 270 11. September 2017 12:49

Re: Kompaktglas

wizard 273 14. September 2017 17:37

Re: [8x25] Kaufberatung

Bergmann Schaefer 397 10. September 2017 13:44

Re: [8x25] Kaufberatung

Konstanzer 294 11. September 2017 12:47

Re: [8x25] Kaufberatung

Konstanzer 437 14. September 2017 11:07

Re: [8x25] Kaufberatung

Andi Roll 299 14. September 2017 11:58

konkret ist

Dominique 295 14. September 2017 12:33

Re: [8x25] Kaufberatung

imprezaharry 317 14. September 2017 12:09

Re: [8x25] Kaufberatung

chrischde 285 14. September 2017 13:46

Re: [8x25] Kaufberatung

imprezaharry 270 14. September 2017 14:04

Re: [8x25] Kaufberatung

Andi Roll 270 14. September 2017 14:53

Nikon HG L DCF Kompaktgläser

Mick 311 14. September 2017 15:37

Re: Nikon HG L DCF Kompaktgläser

imprezaharry 317 14. September 2017 16:04

Re: Nikon HG L DCF Kompaktgläser

chrischde 257 14. September 2017 16:41

Transmissionswerte Kompaktgläser

Mick 330 14. September 2017 19:34

Re: Transmissionswerte Kompaktgläser

chrischde 261 15. September 2017 09:36

Re: Transmissionswerte Kompaktgläser

imprezaharry 290 15. September 2017 10:03

Re: [8x25] Kaufberatung

chrischde 255 14. September 2017 16:34

Re: [8x25] Kaufberatung

chrischde 239 14. September 2017 16:45

Re: [8x25] Kaufberatung

imprezaharry 271 14. September 2017 16:59

Re: [8x25] Kaufberatung

chrischde 266 14. September 2017 17:09

Re: [8x25] Kaufberatung

Mick 334 14. September 2017 12:49

Re: [8x25] Kaufberatung

wizard 324 16. September 2017 16:56



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