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Erfahrungsbericht Nikon 12x50 SE CF

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02. März 2014 23:52
Spätestens nach dem Lesen vieler Beiträge hier im Forum und dem Beschäftigen mit anderen Quellen wurde mir klar, dass es nicht das Fernglas für alle Anwendungsfälle gibt, sondern ich entweder deutliche Kompromisse eingehen oder mir mehrere spezialisierte Gläser zulegen muss. Letzteres erschien mir sinnvoller und ich habe mich als Ergänzung zu meinem Kite Lynx HD 8x30 (zum Erfahrungsbericht) für unterwegs für das Format 12x50 entschieden. Das lässt sich noch freihändig nutzen und da hier die Abmessungen, das Gewicht und andere für eine hohe Mobilität relevante Faktoren nachrangig waren, war ich bezüglich der Bauform offen für Dachkant- und Porroprismenkonstruktionen. Angeregt durch viele Diskussionen in Hinblick auf die optische Qualität in Relation zum Kaufpreis, habe ich mich für eins der wenigen hochwertigen Porroprismenferngläser entschieden, die es noch neu zu kaufen gibt. Seit einiger Zeit steht daher ein Nikon 12x50 SE CF beim mir herum.
Ich habe mir jetzt mal einige Wochen Zeit gelassen und die Eigenschaften des Glases mit ein paar anderen Gläsern verglichen. Ich weiß, dass die Vergleichsgläser eher in die Kategorie Äpfel mit Birnen vergleichen fallen, aber ich hatte gerade zufällig keine anderen 12x50 zur Hand. Zur besseren Einordnung habe ich mal das Preisverhältnis der Herstellerpreisempfehlungen zum Nikon in Klammern dazugeschrieben, da dies natürlich für die Relation der Leistungsfähigkeit eine deutliche Rolle spielt. Das Nikon 12x50 SE wäre normiert auf 1. Da wären also:
- mein bereits erwähntes Kite Lynx HD 8x30 (0,43),
- ein leicht betagtes Zeiss Dialyth 8x56B (1,48),
- ein Fujifilm Offroad 10.42 (0,21) und
- ein Minox Monokular MD 7x42 C (0,12).
Zum direkten Vergleich der Gläser habe ich ein entsprechendes Bild mit allen Gläsern sowie ein Bild mit dem Nikon, Kite und Fujifilm beigefügt. Auf letzterem ist einer der Testaufbauten zu sehen und es klemmt ein Kite Booster 2,5 MAG, der baugleich mit dem von Vixen sein müsste, am Nikon.

Haptik, Verarbeitung und Lieferumfang:
Im Vergleich zu einem Dachkantglas wirken die Abmessungen natürlich recht voluminös, aber dafür lassen sich die Objektive aber sehr schön umfassen. Für die freihändige Nutzung, besonders mit 12-facher Vergrößerung, ist das von Vorteil. Die laut Waage 947g Gewicht mit Riemen und Abdeckungen wirken daher auch deutlich leichter, als bei dem etwa nur gut 100g schwereren Dialyth. Das Nikon wirkt hochwertig verarbeitet. Nur wurde beim Aufbringen der Gummiarmierung auf dem linken Objektiv geschlampt, so dass ein Spalt vorhanden ist, wie das dritte Bild im Anhang zeigt. Die Gummierung ist griffig und fühlt sich ein wenig "klebrig" an. Nach Weichmacher riecht es aber nicht und das Fernglas kam ja auch nicht erst gestern aus der Produktion, das bleibt also erst mal so. Der Blick durchs Objektiv in Innere hinterlässt einen hochwertigen Eindruck - kein Klebstoff, alles schön matt-schwarz.
Zum Lieferumfang gehörten die üblichen Objektiv- und Okularabdeckungen, ein Trageriemen und eine Ledertasche. Die Okularabdeckung passt auf jede Winkelstellung des Glases und hält besonders gut, wenn die Augenmuscheln für die Brillennutzung umgeklappt sind; bei Augenmuscheln in Normalstellung hängt sie nur locker drauf solange die Schwerkraft das will. Die Führung für den Tragegurt ist auf keiner Seite komplett geschlossen, so dass der Deckel dauernd rausrutscht. Die Objektivabdeckungen zum Aufstülpen sind gut und zweckmäßig. Die gepolsterte Weichledertasche "Made in China" sieht recht hochwertig aus, verfügt aber weder über einen eigenen Trageriemen, noch noch irgendwelche anderen Befestigungsmöglichkeiten. Der Deckel ist so geschnitten, dass diese Funktion der Gurt des Glases übernimmt. Nimmt man dieses aber heraus, fliegt die Tasche lose durch die Gegend. Der Trageriemen selbst ist am Halsbereich recht breit (30mm), an der Außenseite mit Leder und innen mit Moosgummi benäht. Beim Tragen ohne Jackenkragen auf der Haut finde ich ihn aber auf Dauer unangenehm und man schwitzt unter dem Gummi. Der Weiche Neoprenriemen des Kite ist da deutlich angenehmer. Ein Stativgewinde gibt es nicht, hier will Nikon ein lackiertes Stück Metall für seine Porros SE / E II usw. für EUR 85,50 (UVP) verkaufen.

Fokus, Okulare und Einsehverhalten:
Der Mitteltrieb braucht ca. 1,4 Umdrehungen zwischen den Endpositionen und hat einen sehr guten Widerstand, der sich bei niedrigen Umgebungtemperaturen kurz über 0°C merklich erhöht. Gleiches gilt auch für die Verstellung des Augenabstandes. Der Mitteltrieb ist zwar schmal, liegt aber an genau der richtigen Stelle und der Fokus lässt sich sehr gut einstellen. Die Dioptrineinstellung kann im Bereich +/-4 ebenfalls sehr fein justiert werden. Eine Neujustage bei Verstellung des Fokus ist nicht notwendig. Eine Skala für die Dioptrinstärke und den Augenabstand ist vorhanden und sehr hilfreich, was bei den Dachkantgläsern nicht immer der Fall ist (keine Skala oder +/- fehlt wie beim Kite); obwohl es gehen würde, wie das Zeiss zeigt.
Die Augenmuscheln sind ganz klassisch aus weichem Gummi und gewähren das beste Einsehverhalten aller fünf Gläser. Der Bildand ist deutlich und scharf zu erkennen, aber es gibt keinen Tunnelblick, wie beim Fujifilm mit fast gleichem Seefeld. Das gilt ohne Einschränkungen sowohl mit als auch ohne Brille und liegt nicht zuletzt an einer AP von 17,4mm. Auch Seitenlicht im Bereich der Okulare wird im Vergleich zu den neueren Brillenträgerokularen gut abgehalten.

Sehfeld, Schärfe und Verzeichnung:
Das Seefeld ist mit 87m auf 1000m (5°) nicht besonders groß. Die Spanne liegt aber bei 12x50 Gläsern nicht wirklich breit und das Nikon im Vergleich im unteren Mittelfeld. Da ich es als höhervergrößernde Ergänzung zum weitwinkligen Kite Lynx HD gekauft habe, bin ich damit zufrieden.
Das Bild ist scharf und detailliert. Sterne sind fast perfekte Punkte und das bis an den Rand. Auf den äußeren 10% lässt es etwas nach. Im Vergleich fühlt sich das Kite einen Tick schärfer an und das Zeiss legt noch eine Schippe drauf, dafür leidet bei letzterem die Randschärfe. Ich habe hier zusätzlich den Test mit einer Buchstabentafel durchgeführt (siehe hierzu das vierte und fünfte Bild) und damit versucht die unterschiedlichen Vergrößerungen vergleichbar zu machen. Ich gehe davon aus, dass die Erkennbarkeit der Schriftgrade sich umgekehrt proportional zum Vergrößerungsgrad verhält. Auf ca. 20m Entfernung konnte ich mit dem Kite noch Schriftgrad 12 und mit dem Nikon Schriftgrad 8 lesen. Das Zeiss hat, besser als das Kite auch Teile von Schriftgrad 10 erkennen lassen. Dass die Grenze bei der Erkennbarkeit meinen Augen und nicht der Leistungsgrenze der Optik geschuldet war, habe ich mit einem 2,5-fach Booster überprüft, mit dem ich mit dem Nikon auch Schriftgrad 5 entziffern konnte - mit dem Kite und Zeiss 7.
Einen Globuseffekt beim Schwenken oder Ähnliches konnte ich nicht feststellen. Die kissenförmigen Verzeichnungen am Sehfeldrand waren bei allen Gläsern etwa gleich stark.

Helligkeit und Vignettierung
Der Papiertest zeigte eine kaum merkliche Abdunklung durch die Optik und einen Hauch graugrün, vergleichbar dem Kite.
Eine Vignettierung konnte ich nicht feststellen.

Kontrast, Farbe und Chromatische Aberration:
Hier zeigte das Zeiss Dialyth wer der Platzhirsch ist. Der Blick durch da Nikon SE war wirklich gut, bis ich durch das Zeiss Objekte im Gegenlicht oder einen dunklen Wald betrachtet habe. Die Die Gegenlichtempfindlichkeit des Kite mal außen vor gelassen, waren Nikon SE und das Kite Lynx HD etwa gleichauf. Bei diffusem Gegenlicht ging der Kontrast auch beim Nikon etwas in die Knie, aber nicht gravierend. Die Farbwiedergabe des Nikon ist ohne Tadel (- wenn man nicht durchs Zeiss vergleicht).
Eine CA zeigte nur das Fujifilm wenn man danach suchte. Beim Nikon war nichts dergleichen zu erkennen.
Die Dämmerungsleistung war gemessen an der Austrittspupille von 4,2mm in Ordnung.

Streulicht und Reflexionen:
Schon der Blick ins Objektiv (ohne direkte Lichteinstrahlung) offenbart beim Kite das Innenleben, beim Nikon einen matt-schwarzen Trichter und beim Zeiss ein schwarzes Loch mit einem hellen Fleck am Ausgang. Beim Dialyth ist auch sehr deutlich ein separater Streulichttubus zu erkennen, wenn man hineinleuchtet. Inwiefern dies beim Nikon SE der Fall ist, vermag ich nicht zu sagen. Das Nikon zeigte sich zumindest nicht sonderlich streulichtempfindlich. Bis auf die Kontrasteinbußen im diffusen Gegenlicht, von denen das Dialyth auch nicht ganz verschont war, und kleineren, mich nicht wirklich störenden Reflexen, habe ich hier nichts wirklich auszusetzen.

Naheinstellgrenze:
Diese ist sehr großzügig mit 7m angegeben. Beim Kurbeln am Fokusrad kam ich deutlich näher auf etwa 4,5m, was im Hinblick auf die Vergrößerung und den großen Objektivabstand der Porrokonstruktion schon an der Grenze des binokular erträglichen mit solch einem Glas liegt.

Fazit:
Die Wahl, das Nikon 12x50 SE CF als Ergänzung zu meinem 8x30 zu nehmen, bereue ich nicht, zumal ich es recht günstig als Neugerät bekommen habe. Die Vergrößerung ist deutlich höher und auch der Einsatzbereich ein anderer. Auf meinen bisherigen Streifzügen hat mir die Nutzung Spaß gemacht und trotz der 12-fachen Vergrößerung konnte ich es freihändig ziemlich ruhig halten. Nur für die Sterne ist ein Stativ zwingend notwendig, damit die aufhören durchs Bild zu rasen. Meine Erwartungen an dieses Porroglas waren ehrlich gesagt etwas höher, aber trotz einzelner Schwächen bin ich bisher zufrieden mit der Kaufentscheidung. Ein bisschen mehr Sehfeld und Kontrast wären natürlich schon schön, die Frage ist nur zu welchem Preis.

Auch hier sind fast alle Bewertungspunkte natürlich vollkommen subjektiv, basieren auf meinen laienhaften Kenntnissen und spiegeln meine persönlichen Eindrücke wieder. Ein anderer Nutzer kann zu durchaus anderen Schlüssen kommen. Sollte ich irgendetwas unbeantwortet gelassen haben, dann bitte ich um Nachfragen.
Anhänge:
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Erfahrungsbericht Nikon 12x50 SE CF Anhänge

Stefan E. 4490 02. März 2014 23:52

Re: Erfahrungsbericht Nikon 12x50 SE CF

Holger Merlitz 1211 03. März 2014 02:01

Re: Erfahrungsbericht Nikon 12x50 SE CF

JC_4 971 03. März 2014 21:04

Klasse ohne Masse

Stefan E. 949 04. März 2014 19:11



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