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Testbericht Nikon Monarch 10 x 56 DCF

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12. Januar 2008 00:29
Nikon Monarch 10 x 56 DCF

Testbericht

Auf der Suche nach einem großen Fernglas für Astronomie und Naturbeobachtung mit einer relativ großen Austrittspupille bin ich beim Nikon Monarch 10x56 DCF gelandet. Aufgrund der extrem geringen Verbreitung dieses Glases konnte ich keinen Händler finden, um es vor Kauf zu erproben. Daher habe ich den Sprung gewagt, und es für 420 Euro im Online-Handel gekauft.

Die Preisspanne reicht von 410 Euro bis 599 Euro, in den USA kann man es für tiefe 300 Dollar kaufen, aber der Import war mir zu langwierig, und die Ersparnis nach Transport, Steuer und Zoll wäre nur noch marginal gewesen. Auch wäre die Rückgabe fast unmöglich geworden, was beim Kauf eines vollkommen unbekannten Fernglases ein wichtiger Faktor ist.

Bild 1: Okularseitiger Blick, gefälliges Design
Anm.: Die Bilder können auf meiner Homepage eingesehen werden: betaorionis Punkt de - Erfahrungsberichte, unterster Eintrag

Der Erfahrungsbericht ist folgendermaßen aufgebaut: Ich werde mit einer ausführlichen Beschreibung des Fernglases und seiner Eigenschaften beginnen, darauf folgt eine Tabelle mit den technischen Daten, abschließend werden einige Testsituationen kurz beschrieben, schließlich folgt ein Fazit mit Schulnoten. Dazwischen werde ich natürlich einige Fotos platzieren.

1. Allgemeine Beschreibung

Das Nikon Monarch 10 x 56 DCF ist ein Dachkantfernglas, und daher besonders schlank gebaut. Es hat eine Innenfokussierung, das heißt, außer der Fokussierwalze bewegt sich äußerlich nichts an dem Fernglas. Insbesondere bleibt die Lage der Okulare stabil. Es handelt sich um eine stickstoffgefülltes, teilweise wasserdichtes Modell. Warum teilweise? In der Bedienungsanleitung wird ausdrücklich erwähnt, man könne zwar bis zu einem Meter tief tauchen damit, dürfe aber bei Regen die Fokussierung nicht verändern, da Wasser eindringen könne. Es ist ganz klar, der Hersteller hält sich im Gewährleistungsfall eine fiese Hintertür offen!

Bild 2: Lieferumfang

Das Polykarbonat-Gehäuse ist von einer sich angenehm anfühlenden, dunkelgrünen Kunststoffarmierung umhüllt, die den Staub nicht magisch anzieht, wie man es von anderen Ferngläsern, vorzugsweise aus Fernost, gewohnt ist. Angenehm ist die Geruchlosigkeit der Armierung; hier hat der Autor sehr schlechte Erfahrungen mit Ferngläsern aus den Billigsegment machen müssen. Das Gewicht ist mit 1.200 Gramm normal für diesen Größenbereich. Zum Vergleich, ein Zeiss Victory 10 x 56 T* FL wiegt 1.250 Gramm.

Trotz seiner Größe fühlt es sich in den Händen fast zu schmal an, das ist wohl ein Problem aller Fernglasfreunde, die breite Porro-Gläser gewöhnt sind; diese liegen einfach besser in der Hand! Es hilft sehr, das Fernglas asymmetrisch zu greifen, also eine Hand in der Nähe des Objektivs, und die andere eher am okularseitigen Ende zu belassen. Allgemein bekannt ist unter Fernglasfreunden, dass diese Haltung das Bildzittern wesentlich verringert.

Ausgesprochen gut ist das Einblickverhalten des 10 x 50 DCF, es passt alles zusammen: Die perfekten Drehaugenmuscheln, die riesigen Augenlinsen, die großzügige Pupillenschnittweite, die Okularkonstruktion - ob mit oder ohne Brille, das Fernglas zeigt keine Einblickprobleme, nichts schattet ab oder wird schwarz, wenn man schräg hineinblickt. Das, zugebeben etwas schmalbrüstige Gesichtsfeld, kann auch mit Brille völlig problemlos überblickt werden. Der Autor ist übrigens kurzsichtig mit beidseitig -2,5 Dioptien.

Bild 3: Okulare, drehbare Okularaugenmuscheln (vier Rastpositionen)

Auf den äußeren optischen Flächen - laut Werksangabe auf allen optischen Flächen - befindet sich eine grüne Mehrschichtvergütung. Ein Farbstich wird durch die Vergütung nicht verursacht, ein solcher ist weder im Einsatz noch durch einen Test gegen weißes Papier festzustellen. Bei dem Test schaut man unter natürlichen Lichtbedingungen verkehrt herum mit einem Auge durch das Fernglas auf ein weißes Blatt Papier. Mit dem anderen Auge betrachtet man das Papier direkt; grobe Farbveränderungen durch das optische System würden sofort auffallen.

Die Objektivdeckel sind an den Tuben befestigt und sollen während der Beobachtung am Gerät verbleiben. Zur besseren Positionierung können sie an der Besfestigung gedreht werden. Laut Bedienungsanleitung kann man die Deckel auch entfernen, ich habe mich aber ob der filigranen Befestigung nicht getraut, das auszuprobieren. Sie sitzen schön stramm auf den Objektivtuben. Was man von der einteiligen Okularabdeckung leider nicht behaupten kann, sie liegt nur lose auf und kann daher ausschließlich in der Tasche verwendet werden.

Das ganze Fernglas macht einen kompakten, stabilen Eindruck. Knickbrücke und Fokussierrad sind massiv ausgeführt, das Stellrad für den Dioptienausgleich ist groß und und griffig.

Bild 4: Objektivdeckel, Stativadapteranschluss, Vergütung

Der Tragegurt ist weich, rutschfest und daher praktisch.

Einen Stativadapter liefert Nikon nicht mit. Leider passt mein TS-Stativadapter nicht, weil die Tuben zu eng beieinander stehen und der Adapter nicht dazwischen passt. Ein Spezialadapter müsste her, aber dahingehend ist beim Nikon Zubehör leider gar nichts zu finden. Ich werde mir in Zukunft daher ein passendes Fremdprodukt suchen müssen, den für astronomische Zwecke gibt es natürlich immer wieder Situationen, wo man ein fest aufgestelltes Fernglas nutzen möchte.

2. Technische Daten

3. Testsituationen

Im Gegenlicht an einem See wird das Bild nicht flau, Vergütung und Innenblendystem scheinen gut zu funktionieren. An einer Laterne wird ein Reflex am Bildrand sichtbar, wenn man ca. 10° wegschwenkt.

Beim betrachten von Häusern fällt weder an senkrechten, noch an waagerechten Linien eine Verzeichnung auf. Beim Schwenken konnte kein Globuseffekt festgestellt werden.

Leuchtreklamen sind fast bis zum Rand scharf, die letzen 10° des 55° großen scheinbaren Gesichtsfeldes sind nicht mehr optimal scharf, aber noch gut zu nutzen. Bei der Mittenschärfe gab es aus meiner Sicht weder am Stern, noch im Feld etwas auszusetzen. Auf der anderen Seite gab es aber auch nicht den Effekt, dass der Fokus automatisch einrastet, wie man es von sehr guten apochromatischen Refraktoren gewohnt ist.

Das mag daran liegen, dass die Farbtreue des Monarchen recht bescheiden ist: Bei Tage sind an allen harten Kontrasten blauviolette Ränder zu bemerken. Es gibt zwar keine farbreinen Ferngläser, aber der Effekt ist an diesem Fernglas zu stark ausgeprägt. Allerdings spielt er für die Astronomie keine Rolle: Plejaden, Orionnebel, Sternhaufen im Fuhrmann - all diese Objekte werden brilliant dargeboten. Einem Hobbyornithologen hingegen kann das Fernglas ausdrücklich nicht empfohlen werden; feine Farbnuancen in Gefieder, Schnabel oder Fuß könnten problematisch werden. Als Dämmerungsglas zur Wildbeobachtung kann das Glas uneingeschränkt empfohlen werden.

Zur Haptik hatte ich ja schon ein paar Worte gesagt, des Fernglas fasst sich gut an, lässt sich prima schwenken, Vogelschwärme können einwandfrei verfolgt werden, ohne dass einem dabei schwindelig wird. Das Fokussierrad könnte dabei eine Kleinigkeit leichter gehen. Ansonsten ist der Fokussierer sehr gut, er hat kein Spiel und eine gleichmäßige Gängigkeit.

Sehr gut sind die maximalen Verstellmöglichkeiten für Überhub und Dioptienausgleich dimensioniert. Leider liefert Nikon diese für viele Menschen so wichtigen Daten für seine Ferngläser nicht mit. Die Messung dieser Parameter ist ohne entsprechende Gerätschaft unmöglich, ich habe an dieser Stelle so gut wie möglich geschätzt. Zugute kommt mir dabei, dass meine 44 Jahre alten Augen nicht mehr so gut akkomodieren, und Fokusfehler daher schnell erkannt werden.

Leichter ist es da schon, die kürzeste Naheinstellung zu messen: Am heimischen Bücherregal konnte bei einem Abstand von 6 Metern fokussiert werden, eine Diskrepanz zur Werksangabe von Nikon, die 10 Meter aussagt. Entweder gibt es eine große Serienstreuung, oder meine Augen sind biologisch jünger, als der Rest des Mannes.

Wie man auf dem nachfolgenden Foto erkennen kann, liefert das Fernglas eine perfekt runde Austrittspupille, die auch die richtige Größe hat. Da vignettiert nichts, Prismen und Strahlengang haben ordentliche Dimensionen.

Bild 5: kreisrunde AP

4. Fazit

Nachfolgend seht Ihr die versprochenen Schulnoten für die von mir ausgewählten Kriterien.

Im Bereich Service habe ich Nikon eine relativ harte Note gegeben. Das ist hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass trotz intensiver Suche in einem Ballungsgebiet (Düsseldorf) kein Händler ein großes Monarch liefern konnte oder wollte. Dem größten Fotohändler Düsseldorfs, gelistet bei Nikon, musste ich erklären, dass Nikon neben StabilEyes und Action auch noch Monarch und High Grade im Angebot hat. Ich würde dort mit einem Problem sicher nicht hingehen.

Grundsätzlich positiv zu bewerten ist die 10-jährige Garantie. Was Nikon genau garantiert, wird leider nirgendwo erwähnt. Vermutlich handelt es sich um eine schlechte Übersetzung, gemeint ist sicher Gewährleistung. Allerdings wird diese sehr aufgeweicht, wenn man das Kleingedruckte liest: Sie gilt ausschließlich für Fabrikationsfehler, und in den Jahren 6 bis 10 werden nur noch die Materialkosten übernommen. Auf die Ungereimtheiten bei der Wasserdichtigkeit hatte ich bereits hingewiesen.

Im Zubehörbereich, wo andere Firmen viel Geld verdienen, hält es Nikon leider nicht für erforderlich, die geneigte Kundschaft im Fernglasbereich anständig zu versorgen.

Mein Gesamteindruck von dem Nikon Monarch 10 x 56 DCF ist durchaus positiv. Man erhält ein wertiges und praktikables Fernglas, das im Bereich Farbtreue eine Schwäche aufweist, und im Punkt Einblickverhalten herausragend ist.

Den Preis finde ich angemessen, man erwirbt sicher keine Billigfernglas. Wegen der schlechten Marktdurchdringung von Nikon wird der Wertverlust vermutlich eher hoch sein.

Bild 6: Ein großes, leistungsstarkes Fernglas

Meine Hauptintention, nämlich ein großes, brillenträgerfreundliches Astroglas mit Naturbeobachtungsqualitäten zu erwerben, ist mit dem Monarchen gut umgesetzt worden. Um qualitativ noch weiter zu kommen, kann eigentlich nur ein Zeiss Victory 10 x 56 T* FL in Frage kommen.

Für Hinweise und Korrekturen bin ich natürlich offen!

Andreas Werner

11. Januar 2008







Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Testbericht Nikon Monarch 10 x 56 DCF

Andreas Werner 9654 12. Januar 2008 00:29

Re: Testbericht Nikon Monarch 10 x 56 DCF

Robert Fritzen 2186 12. Januar 2008 11:29

Re: Testbericht Nikon Monarch 10 x 56 DCF

Frank 2211 12. Januar 2008 11:36

Re: Testbericht Nikon Monarch 10 x 56 DCF

Robert Fritzen 1985 12. Januar 2008 12:09

Re: Testbericht Nikon Monarch 10 x 56 DCF

Roger Hannover 3678 13. Januar 2008 11:08

Drei Fragen zu Ihrem Erfahrungsbericht (Test?)

Walter E. Schön 2217 12. Januar 2008 16:49

Re: Testbericht Nikon Monarch 10 x 56 DCF

Andreas Werner 1966 13. Januar 2008 00:07

Schulnoten zur Bewertung, Überprüfung der Verzeichnung

Walter E. Schön 2336 13. Januar 2008 12:49

Bedeutet Verzeichnung Variation der Vergrößerung?

Volker Werres 1386 13. Januar 2008 14:33

Definition der Verzeichnung und resultierende Folgen (vorsicht, langer Beitrag!)

Walter E. Schön 1988 13. Januar 2008 18:40

Danke für die ausführliche Begründung, ich melde mich, wenn ich es komplett intus habe.

Volker Werres 1369 13. Januar 2008 20:41

Re: Testbericht Nikon Monarch auch monarch X getestet?

ika 1183 08. Juni 2010 22:20



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