Willkommen! Anmelden Ein neues Profil erzeugen

Erweiterte Suche

Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Juelich-Logo

 
deutsch  english  franais  chinese
Impressum
 
Forumregeln
 
Lupen
Mikroskope
Schulung
Messtische
Mess-Software
Mikroskopierdienst
Mikroskopservice
Sonderanfertigungen
 
Ferngläser
Spektive
Teleskope
Stative
Globen
 
Sonderposten
Veranstaltungen
Forum
Testberichte
 
AGB
Kontakt

 

08. November 2007 14:43
Liebe Forumsteilnehmer,

nachdem hier (auch von meiner Seite) schon mehrfach von "den neuen Docter-Gläsern von Analytik-Jena die Rede war, habe ich - ähnlich wie schon bei der Kowa-Diskussion (siehe hier weiter unten) - in einem Vergleichstest das Docter 10x42 B/CF meinem Zeiss Victory 10x42 FL gegenüber gestellt.


Vergleichstest Docter 10x42 B/CF (neu!) vs. Zeiss Victory 10 x 42 FL:


Erneut danke ich herzlich Frau Simone Hauptmann für das leihweise Überlassen des seit Herbst 2007 neu überarbeiteten Docter 10x42 B/CF. Hier steht – wie schon mit dem Kowa 10,5x44 XD - ein Fernglas zur Verfügung, das im Preis-Leistungsverhältnis gegenüber den Pendants der „drei Großen“ Zeiss, Leica, Swarovski prima vista ein sehr interessantes Angebot zu sein scheint. Ich habe dieses Docter-Glas meinem 42-er Favoriten, dem Zeiss Victory FL 10x42, gegenübergestellt.


Äußerer Eindruck, Verarbeitungsqualität:

Schon auf den ersten Blick wirkt das Docter deutlich kompakter und damit auch etwas handlicher als das Zeiss. Das Victory ist mit eingefahrenen Augenmuscheln 2,4 cm höher und 1 cm breiter als das Docter. Diese Größendifferenz dürfte mit der Verwendung von Schmidt-Pechan-Prismen bei Docter gegenüber den Abbe-König-Prismen bei den 42er–Victory-Gläsern zu erklären sein. Beide Gläser machen einen wertigen Eindruck. Die überarbeitete Gummiarmierung des Docter wirkt griffiger und scheint jetzt nicht mehr ganz so staubempfindlich wie beim Vorgängermodell. Es kann wohl auch davon ausgegangen werden, dass die Armierung nicht mehr die von der Stiftung Warentest (9/2006) bemängelten Schadstoffe enthält. Prüfen konnte ich das aber nicht. Das Zeiss Victory weist die bekannte Oberfläche mit den griffsympathischen Längsrippen auf. Die Zeiss - Armierung ist hochwertig verarbeitet und sehr gut schmutzabweisend. Beide Ferngläser sind druckwasserdicht und gegen Beschlagen von innen mit Stickstoff gefüllt. Sie liegen beide gut ausbalanciert in der Hand.


Gewicht, Ausstattung:

Erstaunliche Erkenntnis beim Wiegen: Beide Gläser haben fast genau dasselbe Gewicht von 800 Gramm. Das Docter unterbietet damit – zumindest ausweislich meiner Küchenwaage - seine Herstellerangabe um ca. 40 Gramm (!) während das Zeiss um etwa dieselbe Differenz schwerer ist als vom Werk angegeben. Beide Gläser lassen sich für 42er-Gläser damit noch komfortabel tragen, auch auf etwas ausgedehnten Wanderungen, wenn auch nicht mit der 600-Gramm-Klasse hochwertiger 32er-Gläser vergleichbar. Die Ösen für die Tragegurte sind bei beiden Gläsern an der gleichen Stelle angebracht, sodass sich kaum Unterschiede beim Tragen offenbaren. Der Tragegurt des Docter aus einem schmalen, 1 bis knapp 3 cm breiten Corduraband mit dünner Neoprenpolsterung im Schulterbereich hält dem Vergleich mit dem komfortablen Tragegurt des Zeiss nicht stand. Dieser bildet mit seiner Sichelform eher die natürlichen Nackenformen ab. Das Victory trägt sich daher aufgrund der besseren Lastverteilung spürbar angenehmer. Hier hat Docter den im Konkurrenzvergleich gar nicht hoch genug einzuschätzenden Vorteil des Gewichtsgleichstands mit dem Zeiss beinahe fahrlässig verschenkt, was aber über den Zubehörhandel problemlos korrigierbar ist. Docter verzichtet bei seinem renovierten 10x42 B/CF auf einen Objektivschutz, was ich angesichts der nicht besonders überzeugenden Lösung beim Zeiss nicht unbedingt als Nachteil werten will. Die – auch optisch nicht gerade schöne - Zeiss-Lösung mit Gummiringen, die über den Tubus gezwängt werden müssen, hat mich zum Beispiel bewogen, auf die Nutzung der Objektivabdeckungen meines Victory gänzlich zu verzichten, dem Umstand vertrauend, dass Wassertropfen in der Regel von oben kommen – die Teile liegen seit einem guten Jahr unberührt im Originalkarton, was eigentlich nicht der Sinn der Sache ist. Warum sich alle Hersteller so standhaft gegen die geniale „Butler-Creek-Lösung“ mit fest angebrachten, klappbaren Schutzdeckeln wehren (Gewichtsrallye?), bleibt wohl das Geheimnis der Entwicklungsabteilungen.

Bei den Okulardeckeln ähneln sich beide Optiken wiederum. An der Einblickseite ist das Handling der gegen Verlieren beidseitig am Gurt längsverschiebbar befestigten Schutzdeckel annehmbar gelöst, sodass man diese sehr sinnvollen Abdeckungen auch tatsächlich verwendet.

Auffällig ist das Fehlen einer Bereitschaftstasche beim Docter - zumindest war bei dem leihweise überlassenen Glas keine dabei. Die Corduratasche der Zeiss Victory-Serie ist aber trotz hochwertiger Anmutung und guter Polsterung auch nicht „das Gelbe vom Ei“, weil der überlappende Deckel zu einem zweiten Tragegurt zwingt, der sich längst nicht so angenehm anfühlt, wie der Fernglasgurt. So benutze ich zum Beispiel für mein Zeiss-Victory die (billigere) Corduratasche der 40er Conquest-Serie, weil dort der Fernglasgurt bei eingelegtem Glas ohne Probleme an der oberen Abdecklasche vorbei passt und man daher nur einen Tragegurt benötigt, nämlich den des Fernglases. Zudem verfügt die Conquest-Tasche über eine praktischere, da mit Druckknöpfen ausgestattete, Gürtelschlaufe. Schließlich ist sie mit einem Klettverschluss versehen, was zwar billiger wirken mag, aber weitaus praktischer ist als die die etwas fummelige Plastik-Steckschließe bei der Victory-Tasche. Für Jäger, die „ihr“ Wild nicht erschrecken wollen, ist natürlich der Klettverschluss kontraproduktiv. Das muss man wissen und das Glas halt rechtzeitig vor der Pirsch aus der Tasche nehmen. Ganz ideal fände ich eine Tasche mit einem Magnetverschluss wie bei vielen Damenhandtaschen.

Ein Einschraubgewinde für handelsübliche Stativköpfe geht leider beiden Gläsern ab, was vor allem Hobbyastronomen als erheblichen Mangel entlarven dürften. Bei Ferngläsern ab 10 - facher Vergrößerung sind Stativgewinde schlicht und ergreifend ein Muss! Insoweit bekleckern sich, wie schon bei meinem Kowa-Zeiss-Vergleich bemängelt, beide nicht mit Ruhm.


Augenmuscheln, Einblickverhalten, Brillenträgertauglichkeit:

Das Einblickverhalten beider Gläser offenbart relativ geringe Unterschiede. Zumindest kurzsichtige Brillenträger genießen bei ganz eingedrehten Augenmuscheln mit Brille das volle Sehfeld ohne Abstriche. Beim Zeiss erscheint mir das „eine Spur“ besser zu sein. Die Augenmuscheln rasten beim Zeiss dreifach mit einer kleinen Schlussraste im ganz ausgefahrenen Betriebszustand. Beim Docter gehen die Augenmuscheln stufenlos und butterweich, bleiben aber relativ stabil in der gewünschten Position. Die Knickbrücken beider Gläser gehen sauber; weder zu leicht, noch zu schwer. Der Augenabstand lässt sich bei beiden problemlos und bleibend einstellen.

Dioptrienkorrektur, Überhub:

Beide Gläser weisen für Kurzsichtige, die wegen des besseren Schutzes gegen einfallendes Seitenlicht vorzugsweise ohne Brille beobachten wollen, einen ausreichenden Überhub auf; das Docter eher noch mehr als das Zeiss. Ich bin hier mit meinen knapp – 2 Dpt zwar nicht die ideale Testperson, habe aber den Eindruck, dass noch erheblich Reserve vorhanden ist, wenn ich für meine Augen auf unendlich scharf gestellt habe. Ich würde unverbindlich den Überhub beim Zeiss auf knapp 6 Dpt, beim Docter auf über 6 Dpt schätzen, was für die meisten Fernglasfreunde sehr gut ausreichen dürfte. Welche Art der Dioptrienkorrektur als besser empfunden wird, ist individuelle Geschmacks- bzw. Gewohnheitssache. Das Docter lässt sich für mein Gefühl hervorragend mit einem Drehknopf vor dem Zentralfokus mit deutlich tastbarer Erhöhung mit dem Zeige- oder Mittelfinger leichtgängig justieren. Der Dioptrienausgleich hat nach beiden Seiten je 12 leichte Rastpunkte, was bei der Werksangabe von +/- 3 Dpt je Rastpunkt eine Änderung von 0,25 Dpt bedeutet. Dies erscheint noch ein sinnvolles Maß zu sein, obgleich stufenlos vorteilhafter, weil noch genauer, wäre. Die Dioptrienkorrektur der Zeiss-Gläser bei denen der Mittenregler für die Gesamtschärfe erst mal etwas fummelig hochgezogen werden muss, halte ich, auch wegen der Schwergängigkeit beim Einstellen, für arg gewöhnungsbedürftig. Dies gilt vor allem, wenn das Glas von wechselnden Beobachtern verwendet wird. Praxisgerecht erscheint mir diese Korrektur für unterschiedlich fehlsichtige Augen jedenfalls nicht, sieht man einmal davon ab, dass sich damit die einmal eingestellten Werte nicht mehr unbeabsichtigt verstellen lassen, wieder zusammen geschobene Mitteneinstellung vorausgesetzt.


Fokussierung, kürzester Beobachtungsabstand:

Die längsgeriffelte Fokussierwalze des Zeiss geht angenehm leicht und gleichmäßig sauber über den ganzen Umfang. Die fast unglaublich sanft laufende und sehr griffige Gummiwalze des Docter verströmt aber eine noch höhere feinmechanische Qualität. Allerdings geht die Fokussierung des Docter unverständlicherweise und daher gewöhnungsbedürftig in umgekehrter Drehrichtung im Vergleich zu den Spitzenprodukten. Die Untersetzung der Fokussierung ist bei beiden Gläsern sehr gut gewählt. Beim Docter liegen zwischen nah und unendlich ca.1,3 Umdrehungen, beim Zeiss ca.1,5. Wer öfter Insekten und Pflanzen aus nächster Nähe beobachten möchte, ist mit dem Zeiss (ca. 1,9 m Naheinstellgrenze) sehr gut, mit dem Docter (ca. 2,8 m) allerdings nur ausreichend bedient. Hier kommt es auf die persönlichen Prioritäten an. Hobbyastronomen werden die Nahgrenze des Docter kaum bemängeln. Allerdings gehört das 10x42 B/CF vor allem aufgrund seiner sehr kompakten Maße eindeutig in die Klasse der Allroundgläser; insoweit bedarf die etwas üppigere Naheinstellgrenze einer kritischen Erwähnung.


Sehfeld:

Das Docter 10x42 B/CF bleibt hier erstaunlicherweise etwas hinter seine „Papierform“ zurück. Im direkten Vergleich - beide Ferngläser jeweils mit dem „falschen Okular“ gleichzeitig vor Augen und gegen eine helle Wand gerichtet - empfinde ich den scheinbaren Sehfeldwinkel des Docter-Glases als etwas kleiner gegenüber dem des Zeiss. Es darf spekuliert werden, woran das liegen mag. Die scheinbaren Sehwinkel habe ich nicht nachgemessen, sondern lediglich den Eindruck der Sehfeldkreise verglichen. Auffallend ist in diesem Zusammenhang – anders als beim vorangegangenen Vergleich zwischen dem Kowa 10,5x44 XD und dem Zeiss Victory – dass die Optik des Docter ähnlich gerechnet erscheint, wie die des Zeiss. Jedenfalls fällt beim Docter – ebenso wie beim Zeiss – kein Globuseffekt auf. Als Ursache für den sich etwas kleiner als erwartet präsentierenden scheinbaren Sehfeldwinkel könnte eine Abweichung von der Nominalvergrößerung nach unten in Frage kommen. Misst man nun die Abbildungen der (perfekt kreisrunden) Austrittspupillen beider Gläser, so ergibt sich jedoch der Durchmesser beim Docter um etwa 0,1 mm geringfügig kleiner als beim Zeiss, was bei korrektem Objektivdurchmesser eine höhere Vergrößerung bedeuten würde, sodass die Vergrößerung als Ursache ausscheiden muss. Vermutlich liegt die Erklärung in einer deutlich unterschiedlichen Verzeichnung beider Ferngläser. Eine – ebenfalls denkbare höhere Vergrößerung des Zeiss-Glases scheidet aus, da dessen Austrittspupille ziemlich genau bei 4,2 mm liegt. Es ist nun nicht etwa so, dass das Docter per se einen auffallend kleinen Sehfeldwinkel hätte. Der Unterschied zum Zeiss wird nur beim direkten Vergleich sichtbar. Es bleibt insgesamt dennoch festzuhalten, dass auch das neue Docter-Glas - für sich allein betrachtet - ein angenehmes Weitwinkelsehfeld weit oberhalb der „Tunnelblickgrenze“ bietet und damit die Erwartungen durchaus zufrieden stellt.


Lichtdurchlässigkeit, Farbwiedergabe, Kontrast:

Hier spielt das Zeiss-Glas seine ganze Topklasse aus! Das Victory hat im direkten Vergleich ein sehr helles Bild, knackige, tiefe Farben, guten Kontrast und eine Vollvergütung deren Qualität (laienhaft ausgedrückt) schon an der satt braun-violett schimmernden Farbe sichtbar zu sein scheint. Die Bildhelligkeit des Docter bleibt hinter dem Zeiss zurück – ohne aber wirklich schlecht zu sein. Man muss hier ganz klar den Kaufpreis von ca. 700.- € in die Betrachtung einbeziehen. Die Farben empfinde ich beim Docter, wie schon beim Kowa im vorangegangenen Testvergleich, als geringfügig „lebloser“ aber dennoch recht akzeptabel. Die eher grünlich schimmernde Vergütung des Docter wirkt satter und hochwertiger als beim Vorgängermodell. Hier hat Analytik-Jena offenbar nachgebessert. Dennoch bleiben Transmission, Farbwiedergabe und Kontrast hinter dem Victory zurück, das allerdings auch gut doppelt so teuer ist. Diese Erkenntnis wird schließlich auch durch das Resultat des Transmissionstests nach Walter Schön untermauert. Unter Tageslicht (ohne Sonneneinstrahlung) aus 15 cm Abstand „umgekehrt“ (also durch die Objektive) auf ein weißes Blatt Papier geschaut zeigt sich folgendes Resultat: Docter: etwas dunkler, Farbtönungstendenz: leicht rosa, etwas wärmer; Zeiss: heller, Farbtönungstendenz: neutral bis kaum merklich gelb-grün, etwas kühler. Dabei auffallend (siehe „Sehfeld“) ist der größere Sehkreis des Zeiss bei umgekehrtem Einblick, was doch ein Indiz dafür sein könnte, dass beim Docter stärker abgeblendet und damit Sehfeld „verschenkt“ wurde.


Mitten- und Randschärfe, Farbsäume

Um es vorweg zu nehmen: das Zeiss Victory hat im direkten Vergleich eine erkennbar bessere Mittenschärfe. Schaut man ohne diesen direkten Vergleich nur durch das Docter (dies gilt im Übrigen für alle optischen Kriterien) so kann man mit dessen Schärfeleistung zufrieden sein. Wie oft bei solchen Tests fördert erst der direkte Vergleich zutage, dass das Bessere des Guten Feind ist. Fragt sich nur, wie viel mehr man bereit ist, für das Bessere zu bezahlen.

Besonders gespannt war ich vor dem Hintergrund des nominal großen Sehfelds des Docter aber auch auf dessen Randschärfe. Obwohl Randschärfe nicht unbedingt zu den Stärken der Zeiss-Victory-Serie gehört, kommt hier das Docter nicht ganz an mein Zeiss-Glas heran. Man müsste mehrere Ferngläser gegeneinander testen, um Serienstreuungen auszuschließen, aber beim vorliegenden Test sind die Unterschiede zwischen dem Docter und dem Zeiss doch erkennbar. Beim Victory beginnt die Randunschärfe - mit meinen älteren Augen (60) betrachtet - bei etwa 75%, gemessen entlang des Sehfeldradius’ (Mittelpunkt = 0; Sehfeldrand = 100), was ordentlich aber nicht außergewöhnlich ist. Die Swarovskis sind da tendenziell noch besser. Das Bild des Docter fängt im Mittel schon bei knapp 70% an, unscharf zu werden. Die Augen jüngerer Menschen unter 40 können noch besser akkomodieren und werden das von daher nicht als störend wahrnehmen, ja möglicherweise die Randunschärfe gar nicht sehen. Um auch hier eine Lanze für das Docter-Glas zu brechen: man berücksichtige wiederum den sehr günstigen Preis, das erstaunlich niedrige Gewicht und die angenehm kompakten Abmessungen.

Auch bei den beinahe unvermeidlichen Farbsäumen an hellen Kanten vor dunklem Hintergrund (oder umgekehrt) kommt das Docter 10x42B/CF nicht an das Zeiss Victory FL 10x42 heran, ist aber besser, als das bekannt farbsaumverdächtige Vorgängermodell.


Streulicht, Reflexe:

Beim Laternentest (Straßenlampe knapp außerhalb des Sehfelds) und bei starkem Gegenlicht sowie Lichteinfall von hinten ergibt sich ein geteiltes Bild, je nachdem, ob mit oder ohne Brille beobachtet wird. Ohne Sehhilfen und mit ausgefahrenen Augenmuscheln nehmen sich beide Gläser in Bezug auf Streulicht und Reflexe nicht sehr viel. Beim Beobachten mit Brille zeigt sich das Victory etwas unempfindlicher. Daher ist dem Zeiss-Glas auch in Bezug auf gelegentlich störenden Nebel im Bild ein Vorsprung sicher. Den Vollmondtest bei klarem Himmel konnte ich witterungsbedingt leider nicht machen.


Fazit:

Das – mechanisch ausgesprochen hochwertige – Docter 10x42 B/CF schlägt sich optisch durchaus achtbar. Es liegt aber bei allen optisch wichtigen Kriterien (Transmission, Kontrast, Farbtreue, Mitten- bzw. Randschärfe, Farbsäume sowie Sehfeld) knapp bis merklich hinter dem Zeiss Victory. Beim Einblickverhalten und vor allem beim Gewicht nehmen sich beide Gläser nicht viel. Wer noch kein Fernglas der Oberklasse besitzt und der (durchaus berechtigten) Ansicht ist, für ein gutes Fernglas nicht 1 500.- € oder mehr ausgeben zu wollen (bzw. zu können!), der findet mit dem Docter 10x42 B/CF ein recht akzeptables optisches Instrument an der Grenze zwischen Mittel- und Oberklasse mit einer hervorragenden Preis-Gegenwert-Relation und – anders als inzwischen bei Zeiss – noch mit 30 Jahren Garantie (!!). Vor allem angesichts des fast optimalen Gewichts und der kompakten Maße für ein 42-er-Glas müsste das Docter-Glas allenfalls ein Nikon 10x42 HG-L oder das (jedoch spürbar schwerere) Kowa 10,5x44 XD fürchten. Beide Konkurrenten sind jedoch um ca. 50 % teurer! Man darf im Übrigen gespannt sein, ob Docter seine sog. „Geradsichtserie“ in naher Zukunft um die längst überfällige, kleinere und nochmals deutlich leichtere 32er-Klasse erweitern wird. Auch über diese offene Frage haben wir uns hier vor Kurzem schon ausgetauscht. Zu wünschen wäre dies im Blick auf die allmählich nach oben abdriftenden Preise der Premiumgläser. Insgesamt stellt sich bei Ferngläsern mehr und mehr die Frage, ob die so langsam überirdischen Mehrpreise für vergleichsweise kleine Verbesserungsschritte noch gerechtfertigt sind. Dies kann wirklich nur jeder für sich selbst entscheiden. Die Frage soll aber auch als ein sehr deutliches Signal an die drei Spitzenfirmen verstanden werden, dass in punkto alljährlich wiederkehrendem Update der Preislisten längst mindestens ebenso überreizt wurde wie bei den Fahrpreisen der Deutschen Bahn. Ferngläser gehören zwar nicht zu den lebensnotwendigen Grundbedürfnissen, aber selbst die Realeinkommen potenzieller Käuferschichten optischer Spitzentechnologie zeigen tendenziell nach wie vor eher nach unten – ganz im Gegensatz beispielsweise zu denselben der Mitglieder der Führungsetagen einschlägiger Hersteller sowie deren Preislisten. Auch das musste an dieser Stelle einmal deutlich gesagt werden – ausdrücklich ohne damit irgendwelche dumpfen Neiddebatten anheizen zu wollen.


Beste Grüße an alle interessierten Leser

Frank Distel




2-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.11.07 10:49.
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Frank 10894 08. November 2007 14:43

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Norbert Weigand 2257 08. November 2007 15:58

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Frank 2071 08. November 2007 16:10

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Holger Merlitz 2354 08. November 2007 16:09

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Frank 2668 08. November 2007 16:28

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

robert R. 1417 20. März 2010 10:49

Das 10x42 B hat eine andere Optik

Holger Merlitz 1552 20. März 2010 12:01

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Erwin Möltgen 1222 05. April 2011 14:35

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Frank 1199 07. April 2011 06:33

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

Erwin Möltgen 1102 08. April 2011 11:29

Re: Die "renovierten" Docter Dachkantgläser - Vergleichstest mit Zeiss Victory FL

skipperlein 1138 12. April 2011 16:04



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen