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Erfahrungsbericht zum „Zeiss Conquest 8x30“

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15. März 2007 00:54
Bereits vor über zwei Wochen erhielt ich von Herrn Peter Dörscheln ein Fernglas Zeiss Conquest 8x30 für einen Erfahrungsbericht zugeschickt. Es wird von vielen, die dem Namen Carl Zeiss vertrauen, aber nicht den ca. 2,5fachen Preis für ein Victory 8x32 FL bezahlen wollen oder können, als interessante Alternative betrachtet und dürfte daher hier im Forum auf Interesse stoßen. Wie ich schon beim Bericht zum Pentax 8x32 DCF SP schrieb, das ich gleichzeitig von einem anderen Forumsteilnehmer erhielt, haben einige unerwartete Ereignisse mir zunächst keine Zeit für die Prüfung gelassen, so daß ich die Prüfungen erst am letzten Wochenende durchführen und den Beitrag erst heute schreiben konnte.

Zeiss Conquest 8x30 (Preisklasse unter 600 Euro):

1. Aussehen, Verarbeitung, erster Eindruck
Das Zeiss Conquest 8x30 ist kompakt, aber fast 1,5 cm länger als das Victory 8x32 EL (was eine „entspanntere“ Optik ergibt, die mit weniger Aufwand gute Ergebnisse bringen kann), hat relativ schlanke Rohre und wirkt daher eher grazil neben dem „stämmigeren“ Pentax 8x32 DCF SP. Dennoch wirkt es robust und solide. Das Design ist schlicht und ansprechend. Die mattschwarze Gummiarmierung fühlt sich angenehm an, ist ausreichend griffig, ohne daß Staub und Schmutz daran stark haften. Der Gummigeruch ist schwächer als beim Pentax und kaum wahrnehmbar (wenn man nicht speziell darauf achtet). Nach Herstellerangabe ist das Zeiss Conquest 8x30 stickstoffbefüllt und wasserdicht, was ich nicht prüfen konnte.

2. Größe und Gewicht, Haptik
Angenehm für ein Allround-Glas sind die Kompaktheit und das geringe Gewicht von nur ca. 555 g (leichter als das kürzere Victory FL), auch für kleinere Frauenhände. Es läßt sich gut halten; Männer mit großen Pranken könnten es schon für zu zierlich halten. Die Trageriemenöse ragen nur wenig über die Rohre hinaus und befinden sich an Stellen, an denen sie nicht beim Umgreifen des Fernglases stören. Die Position der Ösen ist weit genug außen, so daß das Fernglas nur ein wenig schräg am Trageriemen hängt, der im Nackenbereich körpergerecht sichelförmig und gut gepolstert ist sowie körperseitig eine rutschfeste Oberfläche hat, also guten Tragekomfort garantiert. Daumenmulden sind weder vorhanden noch nötig. Der Okularschutzdeckel ist von üblicher Art und ziemlich leicht, so daß er kaum stört, wenn er beim Beobachten seitlich herunter hängt. Herr Dörscheln hat einer früheren Empfehlung folgend diesen Deckel durch Butler-Creek-Deckel ersetzt, was besser aussieht und viel praktischer ist. Objektivschutzdeckel wurden nicht mitgeliefert. Leider kann man die als Ersatzteil erhältlichen Objektivschutzdeckel des Victory 8x32 FL nicht verwenden, weil sie zu weit sind und außerdem ihr Befestigungsring wegen der bis 10 mm ans Tubusende reichenden Längsrippen an den Außenseiten der Rohre nicht weit genug auf die Rohre aufgeschoben werden kann. Falls das Conquest nach dem Victory FL konstruiert wurde, muß dem Designer der Vorwurf gemacht werden, daß er es versäumt hat, mit 4 mm kürzeren Längsrippen und Verzicht auf die leicht konische Verjüngung der Rohre ein und dieselben Objektivschutzdeckel für beide Ferngläser passend zu machen.

3. Augenmuscheln und Einblickverhalten
Kurzsichtige Brillenträger mit nicht zu großer Brille können bei eingedrehten Augenmuscheln das nur mäßig große, im Vergleich zum Pentax 8x32 DCF SP um einige Grad kleinere Sehfeld noch vollständig überblicken; der AP-Längsabstand (ab Auflagefäche für die Brille) ist gut 1 mm länger als beim Pentax. Weitsichtige dürften dennoch schon ab mittlerer Brillenglasstärke Schwierigkeiten haben. Bei Beobachtung ohne Brille gibt es keine Probleme mit dem AP-Längsabstand. Die herausgedrehten Augenmuscheln schirmen Seitenlicht gut ab. Sie haben keine rastenden Endstellungen. Eigenartigerweise nehme ich bei der linken Augenmuschel auf halbem Weg eine schwach rastende Zwischenstellung wahr, nicht jedoch bei der rechten Augenmuschel. Die Friktion der Knickbrücke zum Einstellen auf die Augenweite ist gut gewählt, um bequem einstellbar zu sein und sich dennoch nicht ungewollt zu verstellen.

4. Dioptrienkorrektur und Überhub
Der Überhub für Kurzsichtige ist riesig, weit über -10 dpt; wenn ich erst mit perfekt angepaßter Brille und anschließend ohne bei ca. -5,25 dpt Kurzsichtigkeit auf unendlich scharfstelle, bleibt darüber hinaus noch eine Reserve, die größer als der schon benutzter Drehwinkel ist. Hier hätte weniger zugunsten einer kürzeren Nahgrenze ausgereicht (siehe Punkt 6). Die geriffelte Dioptrienkorrekturwalze am vorderen Ende der Knickbrückenachse hat ebenfalls einen extrem großen Einstellbereich, schätzungsweise um ±8 dpt, ist aber schlecht zu bedienen: für einen Finger (wie man es beim Fokussieren macht) ist sie sehr schwergängig, und um sie zwischen Zeigefinger und Daumen zu nehmen, muß man lange Finger haben, weil man dabei eines der Fernglasrohre umfassen muß. Aber auch dann ist es kaum möglich, die Walze feinfühlig zu drehen, ohne mit dem Fernglas ziemlich zu wackeln. Die Dioptrieneinstellung läßt sich nicht arretieren, dürfte sich aber normalerweise kaum von selbst verstellen. Die Neutralstellung hat eine spürbare Rastung.

5. Sehfeldgröße
Während die Zeiss-Victory-FL-Ferngläser sich durch einen besonders großen scheinbaren Sehwinkel auszeichnen, muß man sich beim Conquest mit einem bescheidenen Sehwinkel begnügen, der zwar noch weit vom Tunnelblick entfernt, aber doch schon etwas eng wirkt. Im Vergleich zum zuletzt von mir geprüften Pentax 8x32 DFC SP ist der scheinbare Sehwinkel schätzungsweise nochmals um ca. 2° bis 3° Grad enger, also um ca. 6° enger als in der Premiumklasse des Leica Ultravids 8x32 oder Zeiss Victory 8x32 FL. Das ist wohl eine der drei wichtigsten Einschränkungen, die man als Zugeständnis an den viel niedrigeren Preis hinnehmen muß (die anderen beiden finden Sie unter Punkt 6 „Nahgrenze“ und Punkt 10 „Reflexe“).

6. Fokussierung und Nahgrenze
Die gummierte Fokussierwalze liegt griffgünstig, hat einen idealen Durchmesser, die Riffelung fühlt sich angenehm an. Sie ist im gleichen Sinne wie bei den Premiumgläsern zu drehen, also im Uhrzeigersinn für weitere bzw. gegen den Uhrzeigersinn für kürzere Einstellentfernung. Die Friktion der Fokussierwalze ist zwar in Ordnung, aber der Unterschied zwischen Haft- und Gleitreibung zu groß. Das erschwert feinfühliges Einstellen im Bereich kleinster Drehwinkel, weil man soviel Kraft aufwenden muß, um die Walze aus der Ruhelage in Bewegung zu versetzen, daß man dann mit einem Ruck über den optimalen Punkt hinausschießt. Die Untersetzung mit knapp unter 1 1/2 Umdrehungen von unendlich bis zur leider für ein modernes Dachkantfernglas etwas weiten Nahgrenze von ca. 3 m ist günstig gewählt. Durch Reduzierung des etwas überdimensionierten Überhubs ließe sich die Nahgrenze noch ein bißchen näher rücken. Wer gern Schmetterlinge, Libellen, Hummeln, Frösche oder Eidechsen beobachtet, wird damit nicht ganz zufrieden sein.

7. Stativbefestigung
Leider hat das Zeiss Conquest 8x30 kein Gewinde für einen Stativadapter. Das wird zwar den meisten Käufern dieses Fernglases gar nicht auffallen, weil sie es in der Regel als leichtes Universalfernglas gekauft haben, aber mancher Vogelfreund oder Hobbyastronom, der es für sein Hobby nutzt, wird es vermissen.

8. Transmission und Farbtreue
Die Transmission und die Farbtreue sind sehr gut. Visuell kann ich wie zuvor beim Pentax 8x32 DCF SP zu den Ferngläsern Zeiss FL, Leica Ultravid und Swarovski EL kaum einen Unterschied in der Bildhelligkeit und in der Farbneutralität erkennen. Offenbar wurde trotz des vergleichsweise moderaten Preises nicht an der Qualität der Vergütung und Prismenverspiegelung gespart.

9. Schärfe und Kontrast
Schärfe und Kontrast sind in weitem Bereich des (allerdings nur mäßig großen) Sehfeldes sehr gut. Die Abnahme der Schärfe zum Rand wird erst relativ nahe dem Rand erkennbar und ist für radiale Bildstrukturen (z.B. von der Mitte strahlenförmig zum Rand laufende Linien oder Kanten) deutlicher als für tangentiale Bildstrukturen (z.B. zum Sehfeldrand parallele Linien oder Kanten), was eine Folge von Astigmatismus ist. Dennoch kommt mir die Randschärfe eher etwas besser vor als beim Zeiss Victory 8x32 FL, das jedoch einen viel größeren scheinbaren Sehwinkel bietet (vergleicht man bei gleichem scheinbaren Sehwinkel, also den Randbereich des Conquest mit einer Zone etwa 3° bis 4° innerhalb des Randes beim Victory FL, ist das Victory FL wieder ein bißchen besser). Die Bildfeldwölbung ist im Gegensatz zum Pentax 8x32 DCF SP ziemlich gering, so daß junge wie alte Beobachter, also unabhängig von der noch verfügbaren Akkommodationsbreite, dieses Fernglas als relativ randscharf empfinden.

10. Streulicht und Reflexe
Trotz der sehr guten Transmission, also sehr effektiver MC-Vergütung, die eigentlich wenig Streulicht und Reflexe sichern sollte, gibt es bei bestimmten Lichteinfallsrichtungen leider sehr starke und ziemlich großflächige sichelförmige Reflexe, deren Ursache offenbar der innenseitig zwar geschwärzte, aber sehr glatte Tubus ist. Steht die Sonne oder bei nächtlicher Himmelsbeobachtung der helle Mond (der dabei gar kein Vollmond zu sein braucht) nur knapp bis zu gut 45° außerhalb des Sehfeldes, so entstehen diese hellen Sicheln in der gegenüberliegenden Sehfeldhälfte meistens ziemlich nahe dem Rand und können bis fast ein Viertel der Sehfeldfläche einnehmen und dort das Bild bis zur Unkenntlichkeit überlagern. Das ist ein um so unverständlicherer gravierender Mangel, als erstens Zeiss einer der weltweit erfahrensten Fernglashersteller ist und zweitens dieser Mangel mit nur geringem Aufwand (gerillter Tubus mit zusätzlichen Abschattblenden) zu beseitigen wäre. Da muß nicht nur einer bei Zeiss, sondern die ganze an der Entwicklung dieses Modells beteiligte Mannschaft gepennt haben, denn spätestens anhand des ersten Musters hätte man das und die Ursache bei kritischem Blick auf ein dunkles Motiv mit starkem Gegenlicht merken und beheben müssen.

11. Farbsäume
Die Farbsäume an tangential verlaufenden Kanten im äußeren Bereich des Bildfeldes sind sehr gering und absolut auf gleichem Niveau wie bei dem in dieser Hinsicht vorbildlichen Zeiss Victory 8x32 FL. Allerdings war das hier keine so große Kunst wie beim Victory FL, da der Sehwinkel deutlich kleiner ist und die Farbsäume erst bei großen Winkeln überproportional anwachsen, die das Conquest kaum oder gar nicht erreicht.

12. Verzeichnung
Das Zeiss Conquest 8x30 verzeichnet ähnlich stark kissenförmig wie die Victory-FL-Modelle und folgt damit dem Zeiss-Prinzip, den Globuseffekt durch dosierte Verzeichnung zu unterdrücken. Wer bei Ferngläsern mit Globuseffekt (z.B. dem kürzlich geprüften Pentax 8x32 DCF SP oder den Nikon-HG-L-Modellen) von Schwindelgefühl oder mulmigem Kribbeln im Bauch geplagt würde, kann mit diesem Conquest bedenkenlos während des Beobachtens hin und her schwenken. Wer dagegen für den Globuseffekt unempfindlich ist, könnte manchmal die gekrümmte Wiedergabe gerader Linen im Randbereich als störend empfinden.

FAZIT
Das Zeiss Conquest 8x30 ist in den meisten Kriterien ein für seinen sehr günstigen Preis gutes Fernglas, hat aber ein merklich kleineres Sehfeld (aber noch keinen Tunnelblick), ein für Brillenträger als knapp zu bezeichnendes Einblickverhalten, eine mit ca. 3 m etwas weite Naheinstellung und als gravierendste Schwäche eine unzureichend Reflexe unterdrückende Tubusinnenseite, die bei Gegenlicht sehr störende großflächige sichelförmige Reflexe verursacht. Dieser letztgenannte Fehler wäre für mich ein K.O.-Kriterium. Da sich aber gerade dieser Fehler mit relativ wenig Aufwand beheben ließe, sollte Zeiss schnellstmöglich nachbessern. Wenn es gelingt, diese Reflexanfälligkeit zu beseitigen, wäre das Conquest 8x30 ein für seinen Preis sehr empfehlenswertes Glas.

Ich danke Herrn Peter Dörsscheln dafür, daß er mir dieses Fernglas zum Testen leihweise überlassen hat, und hoffe, es ihm durch meine harte Kritik an den sichelförmigen Reflexen nicht vermiest zu haben.

Walter E. Schön
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Erfahrungsbericht zum „Zeiss Conquest 8x30“

Walter E. Schön 12891 15. März 2007 00:54

Re: Erfahrungsbericht zum „Zeiss Conquest 8x30“

Kilian Emmerling 2498 15. März 2007 08:15

Vielen Dank! Unterabteilung in Forum: Tests?

OhWeh 2182 15. März 2007 08:49

Re: Vielen Dank! Unterabteilung in Forum: Tests?

Werner Jülich 2006 15. März 2007 10:21

Re: Vielen Dank! Unterabteilung in Forum: Tests?

Robert Fritzen 1692 15. März 2007 12:13

Gegenvorschlag: Test hier lassen, aber Liste von Links einrichten

Walter E. Schön 1990 15. März 2007 10:24

Re: Gegenvorschlag: Test hier lassen, aber Liste von Links einrichten

Robby 1491 14. Juni 2007 23:58

Re: Gegenvorschlag: Test hier lassen, aber Liste von Links einrichten

Gunnar 1374 15. Juni 2007 00:14

A.de-Autor „ThoLa“ ist nicht ernst zu nehmen

Walter E. Schön 1775 15. Juni 2007 19:35

Re: Erfahrungsbericht zum „Zeiss Conquest 8x30“

Peter Dörscheln 2315 15. März 2007 11:44

Re: Erfahrungsbericht zum „Zeiss Conquest 8x30“ Herr Dörscheln

ika 1333 10. Juni 2010 23:52

Conquest 8x30, was darf man erwarten, was ist übertrieben

Gunnar 1537 11. Juni 2010 01:31

zum 10x56

Kilian Emmerling 1121 11. Juni 2010 11:45

Re: zum 10x56 - konkurrenzlos?

marc champollion 1006 16. Juni 2010 00:17

Re: zum 10x56 - konkurrenzlos?

Holger Merlitz 1041 16. Juni 2010 02:55

Re: zum 10x56 - "mehr Licht"

marc champollion 971 17. Juni 2010 02:13

Die ganze Nacht, nicht 10 Minuten

Holger Merlitz 1048 17. Juni 2010 02:44

Re: Die ganze Nacht, nicht 10 Minuten

marc champollion 921 18. Juni 2010 00:04

Re: Die ganze Nacht, nicht 10 Minuten

marc champollion 913 18. Juni 2010 00:11

Re: Die ganze Nacht, nicht 10 Minuten

Gunnar 868 18. Juni 2010 01:30

Re: Die ganze Nacht, nicht 10 Minuten

marc champollion 854 18. Juni 2010 01:38

Re: Die ganze Nacht, nicht 10 Minuten

Gunnar 826 18. Juni 2010 01:57

AP > 5, relativ leicht, für Brillenträger geeignet, SSW > 60, Preis unter 500€...

R.K. 986 18. Juni 2010 18:39

Re: zum 10x56 - konkurrenzlos? Das Zeiss 10x56 FL schon

Kilian Emmerling 1297 16. Juni 2010 09:20

Re: zum 10x56 - konkurrenzlos?

"Wanderfalke" 1005 16. Juni 2010 22:03

Vielleicht kommt das Meopta fuer Sie in Frage?

Holger Merlitz 1650 11. Juni 2010 12:33



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