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Spektrale Empfindlichkeit der EOS 60D

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28. Dezember 2011 22:36
Hallo Herr Jülich,

wie heute nachmittag besprochen stelle ich Ihnen hier die im Januar 2011 mit meiner Canon EOS 60D(a) gewonnenen Spektren ein, die mir Herr Neumann (Astronomik) umgebaut hatte. Vergleichsaufnahmen eines Galaxienhaufens, den ich mit beiden Kameras aufnahm, der ähnlich umgebauten EOS 40D und der EOS 60D, hatte ich ja bereits früher eingestellt. Ich hatte ja früher schon darauf hingewiesen, dass ich diese radikalen Umbauten favorisiere, da sie ähnliche Möglichkeiten bieten, wie die ungleich teureren CCD Kameras, die zudem - im Gegensatz zur Spiegelreflexkamera - gekühlt werden müssen. Eventuell ist das für Amateure jedoch nicht auf Anhieb zu verstehen. Ich denke, die Spektralaufnahmen sagen jedoch mehr als Tausend Worte oder irgendwelche Plots von Empfindlichkeitskurven. Ferner besitzen CCD-Kameras den Nachteil, dass man Farbaufnahmen mit Farbfiltern immer nacheinander durchführen muss. Daher relativieren sich die behaupteten Nachteile längerer Belichtungszeiten beim CCD dadurch, dass man mehrere Einzelaufnahmen durchführen muss.

Man sieht im Vergleich sehr schön die Empfindlichkeitskurve eines gewöhnlichen Astro-Umbaus (oben) im Vergleich mit dem Radikalumbau (unten), bei dem der von Canon serienmäßig verbauten UV und IR Blockfilter völlig entfernt wird.

Bei normalen Astroumbauten werden die Filter intern nur getauscht gegen einen Filter, der eine verbesserte Transmission im Roten Farbbereich besitzt. Die so verbesserte Farbempfindlichkeit gibt das obere Spektrum sehr gut wieder. Zwar ist der rote Bereich – insbesondere in dem für die Astronomen so kritischen Bereich rund um die H-alpha Linie – nun optimal unterstützt, aber der volle Spektralbereich wird nicht ausgenutzt.

Dies (oberes Bild) ist die Filterung, die ich für meine bisher hier eingestellten Aufnahmen benutze. Hierbei wird in die radikal umgebaute Kamera wieder ein Blockfilter eingelegt, der die Transmission entsprechend beschneidet.

Was mit den Canon Kameras ansonsten noch möglich wäre, gibt das untere Spektrum wieder. Der infrarote Bereich ist sehr weit, hat nicht ganz auf die Aufnahme gepasst und reicht bis etwa 1100-1200 nm Wellenlänge (nur geschätzt). Auch im UV Bereich ist die radikal umgebaute Kamera noch sehr empfindlich. Man kann diese spektrale Empfindlichkeit eigentlich gut mit einem traditionellen CCD vergleichen. Mit einem Unterschied: die Spiegelreflexkamera zeichnet drei Farbkanäle gleichzeitig auf.

Achten Sie auch auf den UV Bereich in den Spektren. Der von Canon sehr gut optimierte Bereich im UV Bereich ist mit deutlichem Violett statt Blau gut zu erkennen. Hier wird, wie beim Auge auch, die Empfindlichkeit der roten Pixel wieder angehoben, um violette Farben auch genau so wiedergeben zu können.

Der Vorteil solchermaßen radikal umgebauter Kameras ist sicherlich der große Bereich der spektralen Empfindlichkeit im IR. Dies kommt insbesondere den Planetenbeobachtern wohl zu Gute, die hier ja immer gewisse Vorteile sehen. Genau in diesem Bereich liegt auch die Transmission der von Astronomik angebotenen Spezialfilter, die hier nun nicht nur mir einem CCD, sondern eben neuerdings auch mit einer gewöhnlichen, jedoch umgebauten, DSLR genutzt werden können. Ich will hier darauf hinweisen, dass vor allem die Möglichkeiten der Aufnahme von Videosequenzen (der Planeten) hier eventuell überzeugender sein könnten, als bei den speziellen CCDs oder Webcams.

Ohne Farbfilter ist so eine umgebaute Kamera natürlich kaum noch einzusetzen. Doch bietet Astronomik inzwischen ja die gesamte Palette von CCD Interferenzfiltern für die verschiedenen Wellenlängen und Elemente von H-beta über O-III, S-II und H-alpha. Meine H-alpha Aufnahmen sind entsprechend mit schmalbandigen Filtern, die als Einlegefilter konzipiert sind, von Astronomik als "EOS Clip Filter" bezeichnet, gewonnen. Eine neuere Aufnahme, die ich mit der Meade Montierung, einer 100m Optik und einem 6nm H-alpha Filter gewann, stelle ich Ihnen noch ein. Diese Experimente verdeutlichen nur eines: eine DSLR ist heute nicht nur für Farbaufnahmen einsetzbar, sondern man kann sogar "seriöse" Astronomie mit solchen Spezialfiltern betreiben - einem Bereich, der früher den CCDs vorbehalten blieb. Man muss allerdings bei der Bestellung der Filter darauf achten, dass man mit solch einer radikal umgebauten Kamera nur noch Linienfilter einsetzt, die eigentlich für CCD konzipiert sind und daher den IR Bereich entsprechend unterdrücken! Astronomik kennzeichnet diese Filter als "CCD".

Die Spektren wurden übrigens ganz einfach mit einer Glühlampe und einem 100mm EF Teleobjektiv (Festbrennweite) gewonnen. Um die Spektren zu erzeugen nutze ich einen alten Cokin Effektfilter vom Typ "Diffractor Cosmos B40". Das Filter ist leider nur noch als Antiquariat bei eBay erhältlich. Es ist ein einfaches gepresstes Kunststiffgitter, mit dem ich als 16 Jähriger meine ersten Sonnenspektren mit dem Feldstecher meines Vaters beobachtete. Es ist eigentlich als Effektfilter konzipiert gewesen und irgendwie wohl aus der Mode gekommen.

Viele Grüße und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Thilo Bauer



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.12.11 23:10.
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Spektrale Empfindlichkeit der EOS 60D Anhänge

T. Bauer 2314 28. Dezember 2011 22:36

Re: Spektrale Empfindlichkeit der EOS 60D

T. Bauer 1235 12. Januar 2012 22:37



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