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Vixen NP80L Erfahrungen

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Ruth Skowronek
15. September 2000 13:27

Erfahrungsbericht Vixen NP80L

Zuerst ein paar Bemerkungen zu meinem Standort und zur Ausrüstung.
Wir bewohnen die 5. Ebene eines Terrassenhauses etwa 30 Meter oberhalb der Straße. Durch diese Bauweise habe ich vor meinem Wohnzimmerfenster einen festen, freien Platz von etwa 9 x 14 Metern, quasi direkt auf der Wohnebene unter uns. Über unserer Ebene kommen noch 2 weitere. Es gibt keine nahen Straßenlaternen und keine Bäume im direkten Blickfeld. Man kann den Himmel von Nord über Süd bis Südosten übersehen. Im Osten verliert man allerdings durch die Abschattung den Horizont.

Mein Fernrohr hat folgende Ausstattung:
Vixen 80/1200 Fraunhofer
Vixen NP Montierung mit festen Holzbeinen, Polsucher nachgerüstet, elektrischer Antrieb der Stundenachse.
Celestron Plössl Okular 7,5 mm = 160 fach, AP = 0,5 mm
Meade 4000 Okular 9,7 mm = 125 fach, AP = 0,6 mm
Vixen Ortho Okular 12,5 mm = 96 fach, AP = 0,9 mm
Lichtenknecker Okular 25,0 mm = 48 fach, AP = 1,7 mm
Meade MA Okular 40,0 mm = 30 fach, AP = 2,7 mm

Vixen Kameraadapter
Canon A1, 50 + 135 mm Objektive
diverse Farbfilter, Dämpfglas 0,96 für Mondbeobachtung
Zeiss 8 x 56 Dyalit Fernglas

Für dieses Teleskop habe ich mich damals nach Beratung entschlossen, weil ich relativ klein bin und mein Mann nicht immer als Träger zur Verfügung steht. Wir haben in einer Ecke des Arbeitszimmers einen Platz für den Tubus gefunden, während die Montierung mit dem Dreibein, abgedeckt durch eine Segeltuchplane, draußen bleibt.

Ich bin in der glücklichen Lage, ohne Brille beobachten zu können. Mein Vis liegt nahe bei 100 Prozent.

Meine Schwerpunkte sind Planeten und Kleinplaneten. Hier kann ich das Fernrohr an jedem klaren Abend benutzen, Seeingprobleme sind mir fast unbekannt.

Mars, hier ist 80 mm etwas wenig. Man kann leider nicht alle empfohlenen Filter einsetzen. Zum Beobachten der Dunkelgebiete wurde mir von Herrn Jülich von rot abgeraten. Hier benutze ich daher den Orangefilter mit mäßigem Erfolg. Unerwartet gut funktioniert der Einsatz von des lichtdurchlässigen Gelbgrün-Filters. Man kann die Eiswolken erahnen. Keinerlei Zweck hat nach meinen Erfahrungen an Instrumenten dieser Größe der Einsatz von Violett-Filtern.
Wer Mars beobachten möchte, sollte über ein größeres Instrument nachdenken.

Jupiter, ist hell genug. Gut sichtbar die 4 hellen Monde, als ruhige nichtflimmerde kleine Pünktchen. Die groben Oberflächenformationen sind gut erkennbar, SEB und NEB sind gut sichtbar, in sehr wenigen, guten Nächten auch die schmaleren NTB und STB. Den großen roten Fleck hingegen sieht man nicht immer. manchmal sieht man eine Ausbuchtung am NEB. Man muß sich immer vergegenwärtigen, daß ein kleines Teleskop leicht verführt, unsere Phantasie zu bemühen. Deshalb fertige ich häufig Zeichnungen an, die ich mit meinem Neffen, er studiert Physik und Astronomie, bespreche.

Saturn, ist wunderschön. Aber man kommt schnell an die Grenzen der 80 mm Öffnung. Natürlich sieht man den Ring, sieht Titan, aber dann wird es auch schon schwierig. Selbst bei günstiger Kantenlage und einer ordentlichen Höhe über dem Horizont ist es mir erst wenige Male gelungen, die Cassiniteilung zu sehen. Es mag sein, daß die Transparenz der Luft im Rheintal ungünstig ist, von unserem Standort aus ist hier eine Grenze erreicht.

Uranus und Neptun sind in kleinen Teleskopen nicht interessant.

Kleinplaneten sind eine lohnende Aufgabe. Ich bestimme regelmäßig mindestens 2 mal in der Nacht die visuelle Grenzgröße. Da ich die Beobachtungsergebnisse in kleine Oktavhefte eintrage, kann man dann an Regentagen seine Arbeiten zusammenfassen. Dies habe ich aus der Vogelbeobachtung übernommen und möchte nicht mehr darauf verzichten.
Aus diesen Eintragungen entnehme ich, daß wir meistens eine visuelle Grenzgröße von 4.9mag bis 5.3mag haben. In über 450 Beobachtungsaufzeichnungen habe ich lediglich eine Eintragung mit 5.8mag.
Rechnet man die durch die 80 mm Öffnung zusätzlich mögliche Grenzgröße aus, so sollte an meinem Standort ein Wert von 10.5mag erreichbar sein. In unserer Ferienwohnung in Hinterstein/Allgäu habe ich schon mehrmals 5.9mag und sogar 6.1 mag erlebt. Auch hier ist aber die Gefahr der Überschätzung real, ich versuche daher häufig andere Referenzsterne zu benutzen.

So beobachte ich also häufig Kleinplaneten, deren Position ich zuvor ausgerechnet habe. Zur Beobachtung benutze ich das Meade 9,7 mm Okular.

Deep Sky Beobachtungen mit diesem Fernrohr sind nicht sehr ergiebig. Ich habe daher darauf verzichtet mich tiefer in die Materie einzuarbeiten. Hier ist die Himmelsaufhellung im Rheintal und die Öffnung ungeeignet. Weil mich aber Herr Dr. Stein gebeten hat, etwas zu meinem Teleskop zu schreiben, habe ich in meinen Heften geblättert.
Das Vixen muß mit meinem 8 x 56 Zeissglas wetteifern, ein schwieriges Unterfangen.
Ich habe notiert, M31 lediglich die Kernregion als difuses, konturenloses Fleckchen zu erkennen. Die beiden Begleitgalaxien sind nicht zu sehen. Im Zeiss eine weitausgedehnte eindrucksvolle Galaxie zu sehen, heller Kern, blasse Randausläufer, M32 gut, der andere Begleiter knapp zu sehen.
Besser schägt sich das Fernrohr natürlich da, wo Vergrößerung benötigt wird. Kugelsternhaufen, M57, Trapez im M42. Doch bei den meisten Messierobjekten ist mein Zeissglas viel ergiebiger. Da wir das Fernrohr nicht mit in die Ferienwohnung nehmen, leistet dort das Glas gute Dienste, Milchstraße, helle Nebel im Schützen, offen Sternhaufen.

Doppelstern haben mich nie interessiert. Ich kann daher auch nicht berichten, was ich unter welchen Bedingungen trennen konnte.

Mit dem Fernrohr bin ich eigentlich zufrieden. Die Teilkreise sollten größer und genauer sein, die stabile Befestigung des Achsenkreuzes auf dem Stativ fällt mir mittlerweile schwer, dis wurde daher im letzten Frühjahr von Firma Jülich umgebaut. Der Okularauszug hat mittlerweile gelitten. Der Polsucher war unnötig, Herr Jülich hatte auch abgeraten, aber seine Erklärung der Methode nach Pater Scheiner war mir als Anfängerin suspekt. Einmal war die Montierung nach einem Sturzschaden zur Überprüfung in der Werkstatt, es waren aber nur Äußerlichkeiten.

Ich habe einige Mondaufnahmen gemacht, doch dazu ist die Montierung zu leicht. Aufnahmen mit aufgesetzter Kamera und Fotoobjektiv zeigten schon nach wenigen Minuten eine störende Hintergrundaufhellung. Man hatte mir dies vorausgesagt, ich darf mich also nicht beschweren.

Ich würde heute wieder zu einem Refraktor greifen, zumal mein Enkel bei seinem großen Newtonteleskop immer nur von Justieren, Optimieren, Kollimieren und Temperaturanpassung redet und nie vom Beobachten.
Heute würde ich aber jedem empfehlen, den Rat eines Händlers ernstzunehmen und genügend Mittel für eine stabile und komfortable Montierung einzuplanen.

Als alte Frau, ich habe 1946 Matura gemacht, habe ich aber nicht mehr die körperliche Kraft, ein schwereres Fernrohr zu transportieren.

Ich kann nur jeden ermuntern, dieses schöne Hobby zu versuchen.

Ruth Skowronek


( Wir haben Frau Dr. Skowronek um einen "Fernrohrbericht" gebeten. Sie hat keinen Internetanschluß. Die von Ihr benutze Textverarbeitung Eurotext wurde von uns konvertiert und danach ins Netz gestellt.)

Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Vixen NP80L Erfahrungen

Ruth Skowronek 6493 15. September 2000 13:27



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