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Re: Botanik: Der Gummibaum - Ficus elastica

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12. August 2016 21:29
Liebe Pflanzenfreunde,

heute möchte ich den Beitrag fortsetzen: hier nun Bilder von einer Wurzel des Gummibaums (Ficus elastica) und nachfolgend von einer Luftwurzel. Die Präparation erfolgte diesmal wieder mit stückfixiertem Material nach den im Eingangsposting beschriebenen Methoden.

Bild 42: Übersicht, mehrjährige Wurzel quer, Vergrößerung 50x, Stapel aus 8 Bildern.

Die Wurzel ist ein wenig ungleichmäßig gewachsen und die längere Fixierung am Stück verhindert wohl die vom Spross bekannte düstere Ausprägung der W3Asim II Färbung.

Bild 43a/b: Ein wenig näher heran, Bild 43b mit Beschriftung. Vergrößerung 100 x, Stapel aus 10 Bildern


Ganz klassisch ist der Aufbau der Wurzel nicht, ein Perizykel und eine Endodermis kann zumindest ich nicht erkennen. Beide Gewebe dürften aber auch bei der jungen Wurzel deutlicher ausgeprägt sein.
Die Beschriftung von außen nach innen:
Per: Periderm
Skl: Ein Ring sklerenchymatischer Zellen direkt unterhalb des Phelloderms
Tan: Die leuchtend roten Zellumina sind wohl auf Tannine zurück zu führen
Cor: Cortex, das Rindenparenchym der Wurzel
Skl: Einzelne Sklerenchymzellen im Cortex
P: Phloem
Ca: Cambium
T: Tracheen
Xl: Xylem
MS: Markstrahlen
PXl 1 - 4: in der Mitte des Zentralzylinders sind noch vier Gruppen des primären Xylems der Wurzel zu erkennen
MXl: Metaxylem im Kern des Zentralzylinders

Bild 44a/b: Cortex und Periderm, Bild 44b mit Beschriftung. Vergrößerung 200x, Stapel aus 11 Bildern


Die Beschriftung wieder von außen nach innen:
Per: Periderm mit Phellem (Pl), Phellogen (Pg) und Phelloderm (PD)
Cor: Cortex
Skl: Sklerenchym, die Zellen des Sklerenchymrings unter dem Phelloderm sind hier nur ganz vage zu erkennen (unbeschriftet)
Tan: Tannine in den Zellumina (rot)
PL: Phloem
Ca: Cambium
Xl: Xylem
T: Trachee

Und noch ein wenig mehr von den Tracheen.

Bild 45: Große Tracheen im sekundären Xylem der Wurzel, Vergrößerung 200x, Stapel aus 9 Bildern

Auch hier gibt es wieder einige Zellen mit rot gefärbten Zellinhalten, die auf Tannine hin deuten. Interessant auch die in radialen Banden angeordneten Sklerenchymzellen-Nester.

Bild 46: Zwei Tracheen im Detail, Vergrößerung 400x, Stapel aus 10 Bildern

Die linke Trachee hat einen Durchmesser von ca. 88 auf 63 µm. Die blau angefärbten Hoftüpfel in der Tracheenwand sind ca. 5µm dick und 10 µm breit. In der Zelle oberhalb sind rot-orange angefärbte, blasenförmige Einlagerungen zu erkennen, die an der Zellwand anliegen. Ob es sich auch um Tannine handelt?

Nun zur Luftwurzel:

Wie viele Ficus-Arten bildet der Gummibaum Luftwurzel aus, die am Spross entspringen, zunächst frei hängend zum Boden wachsen und sich dort verwurzeln. Am bekanntesten sind vielleicht die Luftwurzel des Banyan-Baumes, die die Dicke des Sprosses erreichen können und ein sehr ausladendes Wachstum ermöglichen. Die Luftwurzeln des Gummibaums sind da etwas bescheidener.

Bild 47: Stamm eines Gummibaums mit Luftwurzeln

Aus www.biolib.de von Kurt Stüber, GDFL

Bild 48: Auch an unserem Gummibaum zeigen sich bereits reichlich Luftwurzeln


Wie sieht nun der Querschnitt einer solchen Luftwurzel aus? Eher wie beim Sproß oder ist es eine "richtige" Wurzel? Dazu werfen wir wieder eine Blick auf die Präparate, die - ausgehend von stückfixierten Proben - wieder den gleichen Präparationsweg durchlaufen haben, wie ich ihn im Eingangsposting beschrieben habe.

Bild 49: Makroaufnahme vom Querschnitt der Luftwurzel mit Canon PS S3IS

Der Durchmesser beträgt ca. 4,5 mm.

Bevor es an die gefärbten Schnitte geht, lohnt sich ein Blick auf einen ungefärbten Schnitt:

Bild 50: Querschnitt der Luftwurzel, fixiert, aber ungefärbt. Vergrößerung 50x, Einzelaufnahme

Das Bild ist auf die Schnelle von einem frei im Uhrglas schwimmenden Schnitt entstanden, der lag natürlich nicht plan in der Schärfenebene des Objektivs und somit ist die Aufnahme auch nur in einem eng begrenzten Bereich scharf.
Interessant finde ich zwei Dinge: zum einen die gelblichen Einlagerungen in einigen Zellen des Cortex am oberen Bildrand. Diese sehen wir später im bekannten kräftigen Rot wieder und somit sollten sie Tannine enthalten. Zum anderen lohnt sich auf ein Blick in die Tracheen. Da finden wir die schon sattsam bekannten und oft diskutierten Artefakte, von denen nun zumindest bekannt ist, dass sie nicht bei der Färbung sondern wohl bei der Fixierung entstehen.

Nun ein ähnlicher Bildausschnitt aus einem fertigen Präparat.

Bild 51a/b: Querschnitt einer Luftwurzel, Bild 51b mit Beschriftung. Vergrößerung 50x, Stapel aus 11 Bildern


Der Aufbau des Stängelquerschnitts ähnelt mit dem zentral liegenden Metaxylem und den hier 6 erkennbaren primären Xylemsträngen eher einer Wurzel als einem Spross. Interessant sind die radialen Banden von sklerenchymatischem Xylemparenchym - man beachte den Unterschied zu den ähnlich angeordneten Sklerenchymzellen der Wurzel in Bild 45.
Beschriftung von außen nach innen:
Per: Periderm
Cor: Cortex
Tan: Von Tanninen rot angefärbte Zelllumina
Pl: Phloem
Ca: Cambium
Xl: Xylem
T: Trachee
MS: Markstrahl
PXl: Primäres Xylem
MXl: Metaxylem

Betrachten wir nun den Querschnitt in Detailbildern von innen nach außen.

Bild 52a/b: Periderm und Cortex, Bild 52b mit Beschriftung. Vergrößerung 400x, Stapel aus 8 Bildern


Der Aufbau der äußeren Gewebeschichten ist dem der Wurzel in Bild 44 ganz ähnlich.
Beschriftung von außen nach innen:
Ph: Phellem
Pg: Phellogen
Pd: Phelloderm
Skl: Auch bei der Luftwurzel gibt es einen Sklerenchymring direkt unter dem Periderm
Tan: Die Tannine ...
Cor: Cortex

Bild 53: Sekundäres Phloem und Xylem, Vergrößerung 100x, Stapel aus 10 Bildern

Auffällig hier die Sklerenchymzellen im sekundären Phloem und der einzellige Markstrahl mit satt roter Färbung, ganz im Gegensatz zu dem mehrzelligen Markstrahl darunter.

Bild 54: Ein wenig näher an die Tracheen, Vergrößerung 200x, Stapel aus 5 Bildern

Schön zu erkennen die schichtweise Anordnung von sklerifiziertem und nicht sklerifiziertem Xylemparenchym zwischen den Tracheen.

Bild 55: Metaxylem und Primäres Xylem im Zentrum, Vergrößerung 200x, Stapel aus 8 Bildern

Oben links ein Strang primären Xylems. Auch hier sind die roten Zellen allgegenwärtig.

Eines der Präparate erlaubt den Vergleich zwischen einer alten und einer noch nicht voll ausdifferenzierten Trachee.

Bild 56: Die fertig ausgebildete Trachee. Vergrößerung 400x, Stapel aus 6 Bildern

Links neben der Trachee wieder eine Zelle gefüllt mit rötlichen Bläschen, analog Bild 46. Ob dies eine differenzierte Zelle mit einer spezielen Funktion ist?

Bild 57: Die noch unfertige Trachee, Vergrößerung 400x, Stapel aus 7 Bildern.

Beide Tracheen haben mit 116 µm (ausdifferenziert) und 100 µm (im Wachstum) einen vergleichbaren Durchmesser.

Vielen Dank fürs Anschauen! Anregung und Kritik sind wie immer willkommen.

Freundliche Grüße

Jörg Weiß

Mikroskopisches Kollegium Bonn
www.mikroskopie-bonn.de
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Botanik: Der Gummibaum - Ficus elastica

Fahrenheit 1218 30. Juli 2016 21:08

Re: Botanik: Der Gummibaum - Ficus elastica

Fahrenheit 1047 12. August 2016 21:29



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